Theater im Rathaus (Essen) – Dinner für Spinner

Nicht vergleichbar mit dem Film. Aber großartige Unterhaltung die berührt. Das Publikum hat die großartige Ensembleleistung bewundert und nach den eher ruhigeren ersten 30 Minuten am Ende faktisch nur noch herzhaft durchgelacht. Na wenn dieser Spaß nicht von der Krankenkasse verordnet wird, dann weiß ich es auch nicht.

 

Am 04.03.2017 hatten wir nachmittags einen Kindergeburtstag mit dem zauberhaften Künstler Magic Wobo. Für meine Große 14 jährige habe ich mir Abends noch Karten für das Theater im Rathaus gegönnt. Für 29 Euro pro Person haben wir dann Abends um 19.30 Uhr das Stück „Dinner für Spinner“ gesehen.

 

 

 

Rahmenbedingungen von Theater im Rathaus (Essen) – Dinner für Spinner:

 

Den Film mit Steve Carrell kannte ich schon. Fand den zwar eher semi komisch, da ich kein Fan bin, sich auf Kosten von Minderheiten lustig zu machen, aber es gab ja eine Botschaft. Und Essen hat ja offensichtlich eine gute Theatergemeinde, von daher habe ich es mal risikiert.

 

Als ich dann auch noch gesehen hatte, das Tom Gerhardt mitspielt, war die Zuversicht groß, das es gut wird. Ich weiß noch als ich Tom Gerhardt zum allerersten mal vor gefühlt 30 Jahren im Fernsehen sah, mit Lederjacke und Puddelmütze und wie er die ganze Zeit vom „Wer-Dackel“ schwaffelte, herrlich. Hausmeister Krause fand ich zuerst ganz doof, später bei den Wiederholungen merkte ich erst wie genial dielletantisch komisch das war. Kein Wunder das ich bekennender Schlefazianer geworden bin.

 

Doch zurück zum Theater: Das Theater liegt in dem verstaubenden Centro am Rathaus, das durch den Limbecker Platz ums Überleben kämpfen dürfte. Das Theater selbst ist ganz am Ende der Passagen und durch die extrem spiegelige Front kaum zu erkennen (weder beim eingehen noch beim Versuch das Gebäude zu verlassen). Durch die bunkerartige Anlage ist das ganze entsprechend duster. Aber trotzdem recht modern und mondän, wenn man sich das Publikum so anschaut.

 

Vor dem Theater können sich die maximal 250 Gäste tummeln um ein Rondell was nicht nur Getränke preislich völlig überteuert ist, sondern auch an dem Abend total unterbesetzt war. Dennoch für Essener Verhältnisse alles sehr freundlich.

 

Das Stück ging auch pünktlich los. Die Sitzreihen haben mich stark an eine katholische Kirche erinnert, das sie so eng war, das immer alle aufstehen mußten, wenn einer nach links oder rechts rein- oder rausmußte.

 

Aber das Wesentliche ist ja die Sicht. Und das war wirklich super. Das Theater hat rund 250 Plätze und möchte sagen von jedem Platz hat man eine exzellente Sicht auf die Bühne und die Sitze waren zwar gefühlt eng aber doch bequem. Also die wichtigsten Kriterien gute Sicht und guter Sitz waren sehr zufriedenstellend.

 

 

 

 

 

Netz:

 

https://www.essen.de/veranstaltungen_4/veranstaltungendetail_1047363.de.jsp

http://www.theatergemeinde-metropole-ruhr.de/tg/angebot/theaterfuehrer_termine.php?spielstaettennr=044&WerkNr=11185

http://www.theater-im-rathaus.de/index.php?id=19&tx_ttnews%5Btt_news%5D=29&cHash=4de5cb7d004c0f6db833745bb492c0ce

 

 

 

 

Das Stück Theater im Rathaus (Essen) – Dinner für Spinner:

 

Peter Küsenberg ist Verleger und vor 2 Jahren hat er bei einer Buchvorstellung von seinem besten Freund die Co-Autorin ausgepannt. Mit dieser lebt er zusammen und sein bester Freund, war sein bester Freund. Seit einiger Zeit hat Küsenberg aber ein Hobby was seine Frau nicht gut findet: Peter und ein paar seiner Freunde geben jede Woche ein Dinner. Abwechselnd bringen sie einen „Spinner“ mit. Über diesen machen sie sich dann nach Herzenslust lustig, aber so, das dieser es nicht mitbekommt. Wer dabei lacht, muß den elitären Club sofort verlassen.

 

Doch heute Abend ist ihr das zu bunt. Das „Opfer“ soll Peter sogar noch abholen und sie hat keinen Bock bei diesem perfiden Spiel zu assistieren, geschweige denn zu Hause sitzen zu bleiben und Peters Schwarzmarktgeschäfte zu sortieren. Die nächste Finanzamtprüfung kann ihr gestohlen bleiben. Das Peter mal wieder einen Hexenschuß bekommt, geschieht ihm gerade recht. Wütend rauscht sie ab.

 

Schweren Herzens sagt Peter das Dinner telefonisch ab, da er sich wegen seinem Rücken wirklich nicht so fühlt. Auf einmal steht Matthias Bommes im Raum. Er ist der Spinner, der es nicht weiß. Notgedrungen unterhält sich Peter mit Matthias, ohne zu ahnen wie Matthias ungewollt sein geordnetes Leben nach und nach in Schutt und Asche zerlegt.

 

Nur die Frage wer jetzt wirklich der Spinner ist, stellt sich mehr und mehr....

 

 

 

 

Meine Meinung zu Theater im Rathaus (Essen) – Dinner für Spinner:

 

Das Bühnenstück weicht extrem von dem Film ab. Lediglich die Grundidee das Snobisten sich einen „Spinner“ zum Dinner einladen bleibt gleich. Da sich die ganze Handlung im Wohnzimmer der Küsenbergs abspielt, ist die Handlung sehr stark auf die Konfrontation von Matthias und Peter zugeschnitten.

 

Insgesamt gibt es 4 Schauspieler und 1 Schauspielerin in dem Stück. Da dies mein fünftes Essener Bühnenstück war, stell ich mal wieder konstaniert fest: Tolle Inszenierung, tolles Bühnenstück, tolle Darsteller, aber an weiblichen Darstellerinnen mit Potential scheint leider wirklich ein Mangel vorzuliegen. Aber der Reihe nach.

 

Als Komödie war mir das Stück bekannt und so war es auch angekündigt. Es hat allerdings gefühlt locker 30 Minuten gedauert bis das ganze in Schwung kam. Zuerst mußte ja der Zwist von Peter und seine Frau inszeniert werden, dann seine Mißachtung vor dem Finanzamt und natürlich um das ganze zu verkomplizieren, bekam er noch seinen nymphomanischen Seitensprung (als verheirateter Mann frage ich mich immer wieder aufs neue wo die ganze Nymphomaninen dieser Welt sein sollen, egal....).

 

Tom Gerhardt als Matthias Bommes fing auch wohltuend ruhig an. Da drehte Moritz Lindbergh als Peter Küsenberg schon deutlich mehr auf. Doch als die Situation dann endlich so war, das Peter komplett in der Hand von Matthias war und der unfreiwillig jeden Moment mehr das alte Leben von Peter in den Abgrund gestürzt hat, zog der Humor und die Brachialität der Ereignisse die Zuschauer vollends in den Bann. Klar bimmelt ständig die Glocke mit „Selbstschuld“, aber trotzdem tat einem der Peter teilweise schon echt leid.

 

Und das große Kunststück ist ja, das es Emotionen weckt. Und lacht man die ganze Zeit mit Matthias über Peter obwohl ja Matthias der Spinner und Chaot ist, muß man doch immer mehr anhalten und um sich die Person von Matthias Gedanken machen. Ahnt man nicht, das es böse ausgeht? Will man wirklich den „Spinner“ auf den Opfertisch sehen?

 

Ein schlechter Autor und schlechte Darsteller hätte aus dieser Komödie noch schnell eine Tragödie „gezaubert“, aber hier in dem Fall haben alle Beteiligten die Kurve sehr gut genommen und eine Komödie mit tragischen Untertönen so inszeniert, das ein positives Grundgefühl bleibt und das ist aller Ehrenwert. Neben der tollen Unterhaltung in knapp 2 Stunden.

 

 

 

Fazit zu Theater im Rathaus (Essen) – Dinner für Spinner:

 

 

Nicht vergleichbar mit dem Film. Aber großartige Unterhaltung die berührt. Das Publikum hat die großartige Ensembleleistung bewundert und nach den eher ruhigeren ersten 30 Minuten am Ende faktisch nur noch herzhaft durchgelacht. Na wenn dieser Spaß nicht von der Krankenkasse verordnet wird, dann weiß ich es auch nicht.  

 

Gerne 86 von 100 möglichen Punkten

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