Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste

Presseheft: Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste entführt den Zuschauer mit einer intelligenten Mischung aus Emotion und Witz in das liebenswürdige Chaos und den irrwitzigen Alltag der Hausbewohner rund um Madame Christine. Und ehrlich? Mehr kann, muß und sollte man nicht sagen. Gelungen!

 

Das Wetter schön, das Kinoprogramm fade, eigentlich ein Tag für die Couch. Doch meine Große sollte am Wochenende bei mir sein und so habe ich doch noch einen Schnittmengenfilm gefunden. Für günstige 7 Euro pro Person haben wir dann am Karnevalssonntag 26.02.17 um 11.30 Uhr die französische Komödie Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste in der Wied Scala zu Neitersen gesehen.

 

 

 

Vorfilm

 

Kam vom ersten Semester der Filmschule Hamburg und hat das zumeist ältere Publikum doch gerührt.

 

 

 

Film Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste:

 

Paris. Es ist kalt. Saukalt. So richtig saukalt. Pierre und Christine Dubreuil stört es nicht so sehr, sind sie doch gut betucht und aus ihrer Tochter -und fallweise dem Personal- mangelt es an nichts in ihrer 300 m² Pariser Nobelwohnung.

 

Na ja fast. Die linken, rechten, armen, reichen, doofen, schlauen, schlicht alle anderen gehen Pierre schon gewaltig auf den Senkel. Und das die Tochter so langsam aufmüpfig wird, paßt ihm auch nicht. Erst recht nicht, das linke Gesindel von Nachbarschaft mit ihrer Psydo Intellektualität.

 

Aber recht schnell kommt eine gewaltige Veränderung: Da die Kälte immer schlimmer wird und es Erfrierungstote gibt, beschließt die neue (linke) französische Regierung kurzum alle Wohnungen mit einer gewissen Größenordnung und zu wenig gemeldeten Bewohnern zu konfiszieren, in dem Sinne, das arme und Obdachlose den Wohnungen zu geteilt werden.

 

Um das zu umgehen beschließt Pierre kurzum seine Mutter in die Wohnung zu holen und auch das farbige Dienstmädchen bekommt 100 Euro am Tag dafür das sie gemeldet wird in der Wohnung.

 

Noch „schlimmer“ trifft es die linke Nachbarschaftsfamilie Bretzel. Obwohl sie Sozialdozentin ist, versucht sie sich aus der Verantwortung heraus zu mogeln, doch ihr Mann -der Schriftsteller ist- kann das nicht mit ansehen und nimmt somit eine junge farbige Frau mit Kind in die Wohnung auf.

 

Doch es kommen immer mehr und auch die anderen Nachbarn haben mehr als Probleme. Mögen die Kämpfe beginnen....

 

 

 

 

Meine Meinung zu Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste:

 

Denke ich an Europa und Komödie landet man zwangsläufig in Frankreich. Nicht so schnell, schrill und krawallig wie „Willkommen bei den Schtis“, „Ziemlich beste Freunde“ oder „Monsieur Claude und seine Töchter“. Doch wenn einer Komödie mit Sozialkritik kann, dann die Franzosen.

 

Der ganze Film ist von Beginn bis zum Abspann ein buntes Potpouri aus großartiger humorvoller Unterhaltung, die immer wieder mit Sozialkritik unerwandert wird, aber halt nicht mit der typisch deutschen Holzhammermethode.

 

In einer deutschen Fassung wäre die vermutlich jüdische Vergangenheit von Pierre sicherlich viel dramatischer und weniger beiläufig humorvoll abgehandelt werden.

 

Auch hier – um das Ende mal vorweg zu nehmen – gibt es viele sehr viele Gewinner. Da sind unsere Reichen, da sind die Armen, aber auch wir Zuschauer. Jeder hat was gelernt zum Theman Nächstenliebe, Solidarität und Weltoffenheit. Und doch ist man nur eher minimal betroffen, da der große erhobene Zeigefinger immer nur kurz und wenig heftig über einem schwebt.

 

Und doch ausgerechnet der einzige klare Reiche der immer nur helfen wollte ist am Ende der einzige Verlierer. Noch immer einsam, noch immer unverstanden, noch immer sozial hilflos. Das finde ich am besten am Film, das er die ganzen Bandbreite von Weiß bis Schwarz beleuchtet. Die unendliche Vielfalt der Schattierung Grau wird selten in einem Film oder Nachrichtendienst beleuchtet.

 

Das der Film bei den Kritikern nicht so gut weg kam, war ein Vorwurf an zu vielen Personen und zu wenig Tiefe in der Sozialkritik. Das kann man nach vollziehen, aber für mich sind diese beiden Aspekte aber auch genau die Argumente, warum der Film uns alle im Saal so begeistert hat. Und da war eine breite Mischung aus 16 – 80 jährigen Personen. Und das ist eine großartige Leistung.

 

 

 

 

Technische Details von Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste:

 

Komödie Frankreich 2015

 

Filmstart 9.2.17

 

Länge: 103 Minuten, FSK 0

 

Regie&Drehbuch: Alexandra Leclère inszenierte u.a. 2011 Maman und 2004 Zwei ungleiche Schwestern

 

Christine Dubreuil Karin Viard *24.1.66 Rouen war u.a. in 1991 Delicatessen, 2010 Das Schmuckstück, 2010 Nichts zu verzollen, diverse Cecars Nominierungen & Siege

 

Pierre Dubreuil Didier Bourdon *23.1.59 Autor, Schauspieler und Regisseur. Schauspieler u.a. 2003 Fanfan der Hussar, 2006 Ein gutes Jahr

 

Béatrice Bretzel Valérie Bonneton *5.4.70 Somain war u.a. in 2011 Familientreffen mit Hindernissen, 2013 Eyjafjallajökull

 

Grégory Bretzel Michel Vuillermoz *18.12.62 Orleans war u.a. in 1990 Cyrano de Begarac, 2004 Mathilde, 2007 Abbitte

 

 La gardienne Josiane Balasko *5.4.50 Paris war u.a. in 1976 Der Mieter diverse Cesars Nominierungen und Siege

 

Le voisin excentrique Patrick Chesnais *18.3.47 La Garenne-Colombes war u.a. in 1988 Die Vorleserin, 3 Cesar Nominierungen + 1x Europäischen Filmpreis gewonnen

 

 

 

 

Fazit zu Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste:

 

 

Liebenswert und Lustig, der geneigte Leser weiß ohne den Titel zu kennen, das wir von einer französischen Komödie sprechen. Sozialkritik die nicht weh tut, wo man aber doch immer wieder die eigene Nase glühen sieht. Weltoffenheit in einer verrückter werdenen Welt. Und das ganze nicht moralinsaurem erhobenen Zeigefinger wie das die deutschen Problemfilmer so gerne machen. So einfach kann man sich schöne 100 Kinominuten machen. Und es bleibt dabei : Filme die ich immer mal wieder sehen werde, wenn sie dann im Fernsehen eines Tages wiederholt werden, sind und bleiben eine Empfehlung. Sehr schön.  

 

Macht von mir gerne 84 von 100 möglichen Punkten

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