William Ryan – Russisches Requiem

Das nächste Buch aus meiner (50 Cent) Sammelbestellung von Rebuy heißt Russisches Requiem von William Ryan.



Zum Äußeren von William Ryan – Russisches Requiem:

 

Das Hardcoverbuch hat neben Autor, Titel, Thriller und Verlag Heyne nur eine merkwürdige Struktur. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das als eine Schneelandschaft mit einem blutigen Pentagramm. (Und nach dem dem Lesen des Buches, habe ich selten ein passenderes Titelbild gesehen).

 

Rückseite: Der Kalte Hauch des Todes. Der geschundene Leichnam einer jungen Frau wird auf dem Altar einer verlassenen Kirche entdeckt. Alexander Koroljow, Hauptmann der Moskauer Kriminalmiliz, wird auf den Fall angesetzt. Als sich herausstellt, dass das Opfer Amerikanerin war, schaltet sich die gefürchtete Staatssicherheit ein. Koroljow muss den Killer schnellstens dingfest machen, will er nicht selbst im Gulag landen. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (Und das ist mal wieder ein typisch überflüssiger Text, der nicht zwingend zum Inhalt des Buches passt.)



Innenseite von William Ryan – Russisches Requiem:

 

Im Innenklappcover wie so oft eine weitere Inhaltsbeschreibung.

 

Die ersten 2 Seiten ein großflächiger farbiger systematischer Plan von Moskau.

Original „The Holy Thief“ (der hier dichter am Buch ist, aber der deutsche Titel passt auch super)

 

Eine Widmung, Copyright 2020 by William Ryan, dann beginnt der Roman auf Seite 5 und endet auf Seite 425. Dann das Personenverzeichnis 4 Seiten , 2 Seiten Danksagung. Auf den letzten 2 Seiten analog des Beginns eine Doppelseite mit den Straßen Moskaus.

 

Im Heckklappcover dann ein schwarzweiß Foto des Autoren und die Infos: William Ryan, 1965 in London geboren, ist in Irland aufgewachsen. Er hat als Anwalt und Justiziar gearbeitet, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Nach Arbeiten für Film und Fernsehen veröffentlichte er 2006 die Kurzgeschichte Dänemark. Mit Russisches Requiem legt er seinen ersten Roman vor. William Ryan lebt heute mit seiner Frau Joanne in London.



Zum Roman William Ryan – Russisches Requiem:

 

Wir erleben einen professionellen Killer bei der Arbeit. Er hat eine hübsche junge unbeugsame Frau stundenlang bestialisch gefoltert und die letzten Worte die sie ihm ins Gesicht haucht, lauten: Ich verzeihe Ihnen....

 

Alexei Koroljow Hauptmann der Moskauer Kriminalpolizei bekommt den Fall übertragen. Es gibt keine Spuren. Schnell merkt eine merkwürdige Mauer der Umstände. Und schon taucht die nächste bestialisch gefolterte Leiche auf.

 

Trotz der Wiederstände scheint er heraus gefunden zu haben, das die Tote eine Amerikanerin ist und somit wäre der Fall ab sofort von der Staatssicherheit zu übernehmen. Aber im Gegenteil: Der Chef der Staatssicherheit will das Alexei weiter ermittelt.

 

Doch desto weiter er ermittelt und desto weiter er nach vorne stolpert, desto mehr spürt er wie sich die Schlinge um seinen Hals immer weiter zieht. Es tauchen weitere Leichen auf, aber die Umstände zu Stalins Zeit legen eh keinen großen Wert auf einzelne Menschenleben.

 

Alexei ahnt, das er in ein Wespennest -unfreiwilligerweise- sticht. Doch als der Chef der Staatssicherheit selbst in die Vorfälle involviert zu sein scheint, ahnt Alexei das spätestens ab jetzt nichts mehr für ihn zu gewinnen ist...



Meine Meinung zu William Ryan – Russisches Requiem:

 

Zum einen muß man wissen, das ganze spielt zu Stalins Zeiten 1936. Die Stimmung in dem Land, kann man nur schwer nach vollziehen, wenn man noch nie in einem kommunistischen Land war. Da hat uns die Erfahrung vor ein paar Jahren in Kuba geholfen um ein Gefühl für die Stimmung in so einem Land zu bekommen.

 

Neben der wirklich spannenden Krimihandlung -die trotz der bestialischen Morde- eher beschaulich verläuft, punktet das Buch sehr groß mit der Beschreibung der damaligen Lebensumstände. Wie die Stimmung, das ewige Verfolgt sein, der Kampf gegen den Klassenfeind, aber noch viel mehr der Feind nach innen, jeder wird von jedem bespitzelt, beschrieben wird, ist sehr gut und nachvollziehbar. Das ist zwar für den Fall sekundär, für die Erfassung der Situation und der Entwicklung des Kommissars, aber sehr wohl wichtig.

 

Ungewöhnlich und ungewöhnlich gut, gelingt es dem Autor Stadt, die Ära, die Epoche als Star des Romans zu etablieren. Darum baut er erst die Geschichte.

 

Der Ermittler den man ob seiner stoischen positiven Haltung zum Kommunismus und der Partei nur mitleidig mit dem Kopf schütteln muß. Selbst wenn er weiß, das er gleich vermutlich sterben wird, tut er es zwar ungern, aber immerhin im Namen der Partei – also ist es gut. Auf der anderen Seite, hat er den Makel des christlichen Glaubens. Was mir persönlich vollkommen Hupe ist, aber für die damalige Zeit eine gute Möglichkeit vorzeitig das zeitliche zu segnen.

 

Auch die anderen Nebendarsteller müssen vor der Kulisse bestehen und sie tun es mit Bravour. Der Kleine Gangster der mit unserem Kommissar dealt. Der König Gangster ambivalent, verletzlich und doch zu keinem Zeitpunkt sollte man vergessen das er eine tödliche Waffe ist. Sein Oberst mit dem Rücken zur Wand: Die Partei wird es schon richten. Und nicht zuletzt die Verräter und natürlich die Amis.

 

Ein unerfahrener Autor hätte aus der Gemengelage schnell ein Klischee an das andere Reihen können, dazu ein paar blutige Details und schon hätte man einen Roman locker verhunzt. Ryan obwohl ein Schreibnovize, zumindest was Romane betrifft, umschifft die Fallstricke seiner Geschichte ganz geschickt, indem er Ort und die Geschichte prominent in den Vordergrund stellt. Das jedoch so geschickt, das man es nicht merkt und man denkt: Hui ein spannender Thriller. Sehr geschickt, sehr gut!

 

 

 

 

Technische Details von William Ryan – Russisches Requiem:

 

Sex & Drugs: Folter: 4x, Zigarette 19x, Vergewaltigung 6x, Pfeife 4x, Sex 2x, Herzegowina Zigarette 2x, Kleiner Stern Zigarette 1x, Belomores Zigarette 2x, Tapierroso Zigarette 1x, Stirnkuss 1x

 

Rock'n Roll: Alexei Koroljow: Kinderlied 1x, Jazzmusik 2x, älterer schwarzer: Halbvertraute Lieder auf Klavier 1x, Internationale 1x

 

Getränkeliste: Bier 1x, Tee 2x, Wasser 1x, Schnaps 4x, Rotwein 3x, französischer Kognak 1x Wasser mit weissen Tabletten 1x, medizinischer Alkohol 2x, Wodka 10x

 

Leichen: Tote 3x, Erfrorene 2x, Kriegsleichen ca 100, Selbstmörder 6x, Enthaupteter 1x, Mann 21x, Frau 7x, Weltkriegsopfer : unzählige, Säufer 1x, Kind 6x, Bär 1x

 

Fortbewegungsmittel: Schwarzer Polizeiwagen 1x, Straßenbahn 3x, Krankenwagen 3x, langsamer Karren 3x, Lastwagen 3x, schwarzer Emka 1x, Militärwagen 4x, Fahrrad 6x, Pferdekarre 3x, seltene Automobile 3x, Wagen 12x, Ford 5x, Karren 4x, langsamer Lastwagen 3x, grünbeige Stadtbusse 3x, rotweiße Straßenbahn 4x, schlammverschmierter Lastwagen 3x, schwarzer Laster 1x, Zug 2x, Emka 2x, Pferd 9x, ramponierter Ford 1x, Metrolaster 5x, ZIS 1x, Handkarren 3x, Flugzeug 1x, grüner Brotkarren 1x, Taxi 1x, Ford T 1x, brauner Panzer 1x, Bomberstaffel 1x, blankpolierte schwarze Automobile 1x

 

 

 

 

 

Fazit zu William Ryan – Russisches Requiem:

 

 

Ein Roman wie ein Kaurismaki Film: Karg und Bildgewaltig, ruhig und im Stummen explosiv. Eine sehr feinfühlige Story rund um ein paar grausige Verbrechen. Ein Kommissar den man trotz seiner Denkblokade einfach lieben muß. Es menschelt in dieser grotesken Zeit und Ort. Der Hintergrund als Star und das als perfekter Thriller verkleidet. Das hat richtig Spaß gemacht.  

 

Stimmig von der Titelseite bis zur Legende: Macht gerne 99 von 100 möglichen Punkten

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