Wladimir Kaminer:  Russendisko

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die mitten aus dem Leben für das Leben erzählen. Hier wird auf leicht verständlichen auf hohem literarischem Niveau mit Vorurteilen aufgeräumt oder gespielt. Das ganze ist zeitlos, auch gerade wegen den aktuellen Debatten um die „Fremden“. Auf der anderen Seite gibt es auch nicht viele Gründe das Buch zu kaufen, geschweige denn ein zweites mal zu lesen. Dennoch: Das ganze tut nicht weh. Hat tendentiell einen positiven Unterton und unterhält ab der ersten Seite.

Heute stelle ich Russendisko von Wladimir Kaminer vor. Das Buch habe ich neuwertig für 1 Euro in der Bücherei St.Maria Empfängnis in Essen Holsterhausen erworben.

 

 

Zum Äußeren von Wladimir Kaminer - Russendisko:

 

Schlichtes blau mit einem roten Stern, dazu Autor, Titel und Goldmann Mannhatten

 

Rückseite: Mit hintergründigen Witz und schnökelloser Sprache erzählt Wladimir Kaminer, der Star der jungen deutschen Literatur, vom ganz normalen Wahnsinn unseres Alltags.

 

„Mein Vater sehnte sich in Deutschland nach neuen Aufgaben, nach Verantwortung und Kampf um Leben und Tod. So kam er auf die Idee, den Führerschein zu machen. Damit war er erst einmal für die nächsten zwei Jahre beschäftigt. Sein erster Fahrlehrer sprang mitten im Verkehr aus dem Auto. Sein zweiter Fahrlehrer weigerte sich schriftlich, mit ihm im selben Wagen zu sitzen. „Beim Fahren betrachtet Herr Kaminer unentwegt seine Füße.“ schrieb er in der Erklärung an den Fahrschulleiter Der dritte Fahrlehrer war ein mutiger Kerl. Nachdem beide mehrere Stunden zusammen im Auto verbracht und dem Tod ins Gesicht gesehen hatten, wurden sie wie Brüder. Der Fahrlehrer schaffte es, meinem Vater die Führerschein-Idee endgültig auszureden.“

 

„Ruft noch jemand nach dem großen Berlin-Roman? Bis der kommt, mag man sich mit Kaminer vergnügen und dessen Expedition durchs Dickicht der Stadt.“ von Süddeutsche Zeitung

 

ISBN, Barcode, www.goldmann-verlag.de, Preis 7,90 Euro

 

 

 

Zum Innenleben von Wladimir Kaminer - Russendisko:

 

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin. Kaminer veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen deutschen Zeitungen und Zeitschriften, hat eine wöchentliche Sendung beim SFB4 Radio MultiKulti, organisert im Kaffee Burger Veranstaltungen wie seine inzwischen weithin bekannte „Russendisko“, und er moderiert regelmäßig im WDR die Sendung „Kaminer Klub“: lesen, talken, rocken. Mit seiner Erzählsammlung Russendisko avancierte das kreative Multitalent über Nacht zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren in Deutschland.

 

11.Auflage, TB Juli 2002, Inhaltsverzeichnis, dann beginnt das Buch mit dem ersten Kapitel „Russen in Berlin“ auf Seite 9 und es endet auf Seite 192.

 

 

 

 

Zum Buch und eigene Meinung zu Wladimir Kaminer - Russendisko:

 

In losen Geschichten wird über meistens 3-5 Seiten einzelne Geschichten dargeboten. In der ersten geht es darum wie er mit der „dritten“ und letzten Welle der Russen nach Deutschland kam.

 

Das ganze wird trotz weniger Worte recht ausschmückend erzählt. So das es trotz der Banalität der Ereignisse, durchaus einen hohen Aufmerksamskeitgrad erreichen.

 

Ob das ganze dann lustig sein soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau. So richtig gelacht habe ich nicht. Das ganze Buch konnte man aber locker in 2 Tagen durchlesen und man hat sich nicht gelangweilt.

 

Inhaltlich beschreibt Kaminer sich, seine Umgebung, seine Nachbarn und die Sicht der Deutschen auf die Dinge. Unterschwellig geht es dann oftmals immer wieder um das Thema Neid und Angst vor dem Anderen. Daher ist das inhaltlich aktueller denn je.

 

Da es komplett ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und er sich ja selbst konservativ lustig über die eignen Macken und Vorurteile macht, bleibt das Betroffenheitsgeschmäckle weg, das die ganzen Geschichten sicherlich Ihre Sinnlichkeit geraubt hätten.

 

Gott sei Dank verzichtet er auch auf die Brachialkomik eines Mario Barths, wenn er die Alltagsgeschichten erzählten. Und die oftmals niveaulose unterirdische Gedankenpolemik eines Tommy Jaud braucht er auch nicht, um skurrile Situationen so zu beschreiben, das sie eine humoristische Unternote haben.

 

Dennoch bin ich -aufgrund der großen Erwartungen- enttäuscht. Berlin ist eine tolle Stadt und Leute zu beobachten ist vorurteilsfrei unterhaltsam. Allerdings finde ich den Unterhaltungswert reichlich überschaubar. Wenn ich diversen Arbeitskollegen aus meinen persönlichen Erlebnissen berichte, bekomme ich fast immer die Rückmeldung ich möge doch einen Roman schreiben so ungewöhnlich oder komisch oder unterhaltsam wäre das.

 

So vermessen mich mit einem Wortkünstler wie Kaminer zu vergleichen bin ich sicher nicht. Ich will damit aber zum Ausdruck bringen, das wir alle ständig und immer in so Situationen stecken wie Kaminer hier berichtet. Halt auf hohem literarischem Niveau. (Barth macht das ja mit seinem Brachial „Humor“ auf Bild-Zeitung Niveau).

 

Am Ende des Tages frage ich mich halt, was mir dieser Roman sagen will, oder was er gebracht hat. Vielleicht stell ich mich doch eines Tages und veröffentliche mein Tagebuch. Hmh, ne, doch nicht, aber ich bin mir relativ sicher, das der Alltagsnormalo, als solcher beschreibt sich Kaminer faktisch auch, nicht mehr oder weniger jeden Tag erlebt.

 

Und das ist am Ende des Tages unspektakulär und hat den „Hamburger“-Effekt. Man hat was gegessen. Ist aber immer noch nicht satt.

 

 

 

 

Technische Details von Wladimir Kaminer - Russendisko:

 

Sex & Drugs: Sex 2x, Zigarre 1x, Zigarette 2x

 

Rock'n Roll: russische Volkslieder 1x, Wladimir & Fabrice: Die Internationale 1x, bulgarische Sängerinnen 1x

 

Fortbewegungsmittel: Auto 11x, Zug 4x, alter Wagen 1x, Bus ca 30x, Touristenbus 1x, Schiff 4x, Flugzeug 2x, Hubschrauber 1x, großer Citroen 1x, Mercedes 1x, Polizeiauto 1x, U-Bahn 11x, Künstlerzug „Casper David Friedrich“ 1x, Krankenwagen 1x, Taxi 1x

 

Leichen: Maus 1x, Frau 2x, Riesenschnecken ca 10x, Singvögel 3x, Mann 5x, Wolf 1x, Kind 3x

 

Getränkeliste: Wodka 5x, Whiskey 1x, Tee 5x, Bier 2x, Warme Eislimonade 1x, Warmer ukrainischer Wodka 1x, Flasche Berliner Pils 1x, Hansa Pils 3x, Wein 1x, Kakao 1x, Weinbrand 1x

 

 

 

Fazit zu Wladimir Kaminer - Russendisko:

 

 

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die mitten aus dem Leben für das Leben erzählen. Hier wird auf leicht verständlichen auf hohem literarischem Niveau mit Vorurteilen aufgeräumt oder gespielt. Das ganze ist zeitlos, auch gerade wegen den aktuellen Debatten um die „Fremden“. Auf der anderen Seite gibt es auch nicht viele Gründe das Buch zu kaufen, geschweige denn ein zweites mal zu lesen. Dennoch: Das ganze tut nicht weh. Hat tendentiell einen positiven Unterton und unterhält ab der ersten Seite.  

 

 

Macht daher 68 von 100 möglichen Punkten

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