Strassen Gazette e.V.

Mein aktuelles (neues) Domizil muß ich erst noch entdecken. Essen. Die können ja gar nichts. Noch nicht einmal eine Straßenzeitung. Keine Identität, irgendwie wohl vergessen was die von den Statuten her sein wollen. 

 

Seit einigen Jahren kaufe ich immer mal wieder wenn ich in einer Stadt bin eine „Straßen-Zeitung“. Zum einen interessieren mich wirklich (die logischerweise zu linken) Inhalte. Und zum anderen gibt mir so eine Zeitung auch immer einen guten Anhaltspunkt für die Stadt. Dieses mal habe ich die Strassen Gazette in meiner neuen Heimat Essen gekauft. Wie immer vom netten Verkäufer vor Ort, hier vorm Bahnhof für 1,50 Euro.

 

 

 

Kauf von Strassen Gazette e.V.

 

Wie immer sind die Verkäufer nett und unaufdringlich. Das habe ich faktisch überall wo ich so eine Zeitung gekauft habe erlebt.

 

 

 

Zur Zeitung Strassen Gazette e.V.:

 

Ich geh da jetzt chronologisch vor:

 

Vorne drauf: Unabhängiges, soziales Selbsthilfeprojekt, überregional / Ausgabe 163/ März-April 2016, 1,50 Euro

 

Strassen Gazette e.V.

 

Flüchtlingsheim hautnah, Erfahrung eines Arztes Seite 3

 

Grenzenlos bleibt nur die Not, Sea-Watch 2 startet im April Seite 8

 

Schenkt Altem neues Licht, Leuchten-Kunst von Günter Vest Seite 10

 

Soziale Welt

 

Frankfurt: Choreograf William Forsythe (Titel) Seite 14

 

Dubrovnik – alte Stadt am Meer, Eine Reisebericht Seite 16

 

Demokratie für Europa, DiEM 25 – Initiative Zukunft Seite 18

 

Serien: Philosophisches : Angst Seite 7

 

Monatslosung Seite 12

 

Satire-Ecke Seite 20

 

Joschka's Pflanzenkunde Seite 24

 

Ein Bild vom Choreografen und

 

Unsere VerkäuferInnen sammeln keine Spenden!

 

 

 

Seite 2: Links das Impressum wo auch nochmal die Einnahmemodalitäten erläutert werden. Also die Hälfte für den Verkäufer.

 

Dann das Editorial : Hier ist natürlich aktuell auch das Flüchtlingsthema.Ja und richtig, hart aber fair, schonungslos, leider lesen so wichtige Hinweise die „die es nötig hätten“ natürlich nicht, wenn sie denn lesen können...

 

Dann zwei Mitteilungen aus Radio Vatikan die sich natürlich auch kritisch mit dem Umgang der Flüchtlingen beschäftigt. Und ja: Wehret den Anfängen. Hatte ich nicht bekommen mir aber gedacht, das sich die Kirche kritisch zum Umgang mit den Flüchtlingen äußert.

 

Seite 3-4 ein Bericht eines Arztes aus einem Flüchtlingslager. Tja da stockt einem schon der Atem wenn der Mann schonungslos berichtet was er da jeden Tag sieht Und natürlich kann ich die Wut des Mannes verstehen, der das Elend sieht und dann mitbekommt was die Medien (und Politiker und natürlich die Kneipenbevölkerung) daraus macht. Er schreibt zwar er wolle emotionslos berichten, was ihm aber gegen Ende nicht mehr gelungen wäre. Leider schon nach den ersten -zugegebenermaßen sehr harten Lager- Berichten. Wie unflätig und tolldreist links er sich da positioniert und doch genauso rumpolemisiert wie die AFD oder NPD Deppen finde ich nicht nur unpassend, sondern eines Akademikers auch unwürdig. Sorry, gut gemeint aber selbst verkackt um in seinem Slang zu bleiben. Wut hin Wut her – wenn man Menschen erreichen und bewegen will, bedarf es auch einer gewissen Kommunikationsfähigkeit.

 

Seite 5 ein großer Artikel: Kardinal Ravasi würdigt Umberto Eco: Irrtümer der Religion sind tödlich von Radio Vatikan 24 Februar: Das nenn ich mal einen rundum gelungenen Artikel. Literarisch anspruchsvoll und doch leicht zu lesen. Eco und sein Weltbild wird vorgestellt. Seine Ansichten werden interpretiert. Das alles konstruktiv und nachvollziehbar. Habe mich sehr gut informiert gefühlt.

 

Kindernothilfe mahnt: Asylpaket II vernachlässigt Kindesschutz von Kindernothilfe 26 Februar: Der Sachverhalt wird erläutert. Für mich ist der Artikel nicht hilfreich, da natürlich die Kindernothilfe dagegen sein muß. Der Artikel hat aber zu wenig Platz um sich dem wirklich Problem (eine aktzeptable bessere Lösung) zu widmen.

 

Seite 6: 5/6 der Seite beinhalten den Artikel „Milliarden an Superreiche verschenkt“ eine Pressemitteilung der Linksfraktion im Bundestag 23.Februar. Tja, inhaltlich geht es um die Cum/Ex Geschäfte und den Untersuchungsausschuß. Das ist absolut richtig das man dies untersuchen sollte und warum es solange gedauert hat, bis diese sicherlich steuerlich unrichtigen Geschäfte unterbunden wurden. Ansonsten kann ich „Die Linke“ und steuerpolitischer Sprecher nicht in einen Satz packen ohne einen Aprilscherz zu denken. Leider habe ich diverse Male auf Wahlkampfplakate geschaut um zu wissen, das die mit Sicherheit nicht wissen was Steuerpolitik ist oder wie die geht.

 

Unten: Vater und Opa gesucht! Ein Aufruf einer Frau die Ihren Vater (einen ehemaligen US Soldaten) sucht. Wie man den wenigen Angaben was finden kann oder will, weiß ich nicht, aber für die Frau würde ich mir wünschen, das es Menschen gibt die mehr Ahnung haben und das sie Ihren Vater findet.

 

Seite 7 geht dann an Dr.Detlef Eichberg (der dann unten für seine WWW Adresse Werbung machen darf).

 

Die Seite ist zweigeteilt, oben geht es um das Thema Angst. Das beschreibt er und was er mir damit sagen will, bleibt schleierhaft.

 

Unten geht es um das Thema Frühjahrsmüdigkeit und ja hier fühle ich mich gut informiert, warum das so ist, was passiert und was man tun kann. Für die Behandlung mit frisch gepressten Säften, Vollkorn Müsli, Tasse Brennesseltee bin ich zwar nicht empfänglich, aber den Tip ein schönes Buch mit erbaulicher Musik mir zu gönnen, da folge ich ihm wieder.

 

Seite 8 und 9 heißt dann „In Einsatz gegen das Sterben im Mittelmeer“ über Sea Watch: Einsatz auf Lesbos wird fortgesetzt, Sea Watch 2 startet voraussichtlich im April vor der libyschen Küste – Helfer und Unterstützer dringend gesucht von Gabriele Lermann, Datenquelle : Pressemitteilung Sea-Watch

 

Heftig. Ein gelungener Artikel über die Arbeit von Sea-Watch. Am Ende wird auch ein Spendenkonto der Organisation eingeblendet. Rundum gelungener Bericht. Was tut Sea Watch? Warum tun sie das? Was sind die Hürden? Was kann, was muß man tun? Bewegend

 

Seite 10 und 11 widmen sich dem Künstler Günter Vest und heißt „Licht ist und bleibt das Entscheidende“. Autorin Gabriele Lermann

 

Ein interessantes Portrait eines außergewöhnlichen Künstlers der aus unterschiedlichsten Dingen Lampen bastelt und es schon zu zig Ausstellungen geschafft hat.

 

Seite 12 und 13 gehört größtenteils dem Thema „Die gesellschaftliche Dimension der Meditation oder Du sollst nicht merken....“ von Eric Hahn, evangelischer Pfarrer i.R

 

Ehrlich gesagt habe ich den Artikel angefangen zu lesen, der war mir aber so dröge und da ich so gar keine klerikale Ader habe, habe ich recht zügig aufgehört weiter zu lesen.

 

Auf Seite 13 unten sind rechts noch 2 Anzeigen und links eine Anzeige vom Drehorgelpeter der gerne gebucht werden möchte. Das fand ich sogar echt interessant.

 

Jetzt aber zum Schnellpflug Seite 14 und 15 Neue Räume zwischen bildender Kunst und Tanz interessiert mich auch so gar nicht. Seite 16 und einen Teil 17 über Dubrovnik – die hellgraue Stadt am Meer interessiert mich auch so gar nicht (zumal ich mich mittlerweile komplett falsch aufgehoben fühle für eine Straßenzeitung). Rechts auf Seite 16 dann ein Gedicht und wenn es schon Hundeasyl heißt kann ich mir denken in welche Richtung das geht und schenk mir das. Und jetzt kommts: Auf Seite 18 und 19 seh ich den Vollpfosten von Yanis Varoufakis Nur der Vollständigkeithalber den Titel bevor ich das Käseblatt jetzt weglege: DIEM25 – Ein Manifest für die Demokratisierung Europas. Jetzt reicht's den Käse lese ich erst gar nicht. Mein Gott, waren das fehlinvestierte 75 Cent (dem Verkäufer gönn ich ja das Geld, aber dem Hersteller dieses absurden Machwerks nicht).

 

Die letzte Seite 24 Der Bärlauch von Joschkas Pflanzenkunde (Joschka Ole Erbach) les ich mir jetzt doch noch durch, da wir durch Naturkundeführungen in Mannheim auf Bärlauch angefixt worden sind. Aha geht doch, hier sind viele wichtige und hilfreiche Tipps, die wir zwar auch von dem Führer gesagt bekommen haben, aber der Mensch vergißt ja. Es wird erklärt was Bärlauch ist, welche Eigenschaften er haben soll, wie man ihn verzehren kann und sollte, vor den folgenschweren Verwechslungen wird gewarnt, ein rundum gelungener und versöhnlicher Bericht.

 

 

 

Fazit zu Strassen Gazette e.V.:

 

Leider schließt diese Zeitung sich dem Bild von Essen an, das ich bislang habe. Unausgegoren und eine Niete. Was die Zeitung hier bietet ist in meiner Wahrnehmung größtenteils neben dem üblichen Unsinn einfach nur peinlich und beschämend. Vielleicht habe ich auch heute nur einen schlechten Tag erwischt. Im direkten Vergleich zu allen (!) anderen Straßen-Zeitungen die ich bislang gelesen habe, ist dieses Machwerk definitiv das unattraktivste. Das werde ich folglich nicht noch einmal kaufen. Eine Zeitung ohne Seele, ohne Bezug zu Ihren Namen. Schade.Brrr Buha

 

So wurde ich noch nie von einer Straßen Zeitung enttäuscht. Ich vergebe mal aus meiner erholten Urlaubsstimmung heraus wohlgemeinte 19 von 100 möglichen Punkten

 

 

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