Minette Walters - Die Bildhauerin

Minette ist DIE Krimitante und das dieser dritte Roman dermaßen viele Krimipreise abgeräumt hat - zu Recht. Hochspanung von der ersten Seite für das Monster in uns allen.

Ein weiteres Buch aus dem Bücherschrank im Luisenpark von Mannheim ist mal wieder von der begnadeten Krimitante Minette Walters. Diesmal heißt das Werk „Die Bildhauerin“.



Zum Äußeren von Minette Walters – Die Bildhauerin:


Titelgerecht eine Statue dazu Autor, Titel, Roman, Verlag Goldmann


Rückseite: Olive Martin sitzt wegen eines grausamen Verbrechens im Gefängnis: Sie hat zugegeben, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester ermordet und dann zerstückelt zu haben. Unter ihren Mitgefangenen ist Olive wegen ihrer Ausbrüche gefürchtet, und ihre Beschäftigung mit Knetpuppen, in die sie Nadeln sticht, hat ihr den Namen „Die Bildhauerin“ eingetragen.


Rosalind Leigh ist gewarnt, als sie das Gefängnis betritt, um Olive zu treffen. Die Journalistin soll die Hintergründe des Falles ausleuchten. Schnell erkennt sie, daß es noch eine tiefere Wahrheit gibt als die in Geständnis und Urteil festgeschriebene. Zusammen mit der Bildhauerin tritt Rosalind eine gefährliche Reise an in eine Welt voller versteckter Leidenschaften und offenen Haß, schreiender Ungerechtigkeit und dunkler Geheimnisse...


Ausgezeichnet mit dem Edgar-Allen-Poe-Preis als bester Kriminalroman des Jahres





Zum Innenleben von Minette Walters – Die Bildhauerin:


Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Im Eishaus, ihr erster Roman, wurde sofort zum internationalen Bestseller und mit dem John-Creasy-Preis als bester Krimi-Erstling ausgezeichnet. Für ihren zweiten Roman Die Bildhauerin erhielt sie den Edgar-Allen-Poe-Preis. Minette Walters lebt heute mit ihren Mann und ihren Kindern in Hampshire.


Original „The Sculptress“, Copyright 1993 by Minette Walters


Eine Widmung, 2 Zitate und 1 Auszug aus der Encyclopaedia Britannica, eine Skizze des Grundgeschoßes des Mörderhauses dann beginnt der Roman mit einem Prolog und endet auf Seite 411 nach einem Epilog.





Zum Roman Minette Walters – Die Bildhauerin:


Der Fall ist klar: Wenn eine äußerlich unattraktive voluminöse Frau in den blutigen Überresten ihrer Schwester und Mutter sitzt und zugibt beide ermordet und zerstückelt zu haben, sollte man sie ordentlich ins Gefängnis wegsperren.


Ausgerechnet die in einer schweren Lebenskrise steckende Journalistin Roz (die gemeinsame Tochter starb nach einem Streit mit ihrem jetzt Ex-Mann) bekommt von ihrem Verleger eine letzte Chance: Ein Buch über die Doppelmörderin Olivia Martin, oder sie muß den Verlag verlassen.


Mehr als widerwillig nimmt sie den Auftrag an. Als sie jedoch dem „Monstrum“ gegenüber sitzt muß sie feststellen, das ihre Dimensionen erschreckend sind, sie aber erstaunlich intelligent und sensibel ist. Wenn sie auch ihre Informationen nur mehr als spärlich rausrückt.


Obwohl sie nicht weiß, was sie genau von Olive halten soll, fasziniert sie ihr Fall und sie fängt in der Vergangenheit zu kramen. Ihr positives Bild von Olive wird zutiefst erschüttert als sie im forensischen Bericht liest, das ihre Mutter und ihre Schwester noch lebten, als sie zerstückelt wurden.


Doch nach und nach deckt sie Ungereimtheiten auf, die nicht zu dem Geständnis passen. Was sie aber nicht weiß, das auch Olive noch so einiges in petto hat, was sie ihr nicht sagt. Doch auf einmal taucht ein Ex-Polizist auf, der ihre Gefühle in Wallung bringt, der aber damals bei der Vernehmung von Olive wohl auch einiges offen gelassen hat....





Meine Meinung zu Minette Walters – Die Bildhauerin:


Wow geht das ab, dachte ich mir nur. Wie eine Urgewalt prallt dieses Monster Olive auf diese Prinzessin Roz. Obwohl es keine Gewinner zu geben scheint, alle haben ihre angeschrammten Macken und ihre Laster zu tragen, faszinieren die wenigen Personen die eingeführt werden vom Start weg.

Dieser fieser Roman gehört in die Kategorie: Kann man nicht aus der Hand legen. Das ist so hochspannend und fies von der ersten Seite an, das man sich immer ärgert, wenn man mal wieder eine Lesepause machen muß. Dieses enorm hohe Tempo hält das Buch bis faktisch kurz vor Ende durch. Im Spoiler geh ich nachher noch drauf ein.


Wie immer verfolgt man die Handlung aus der Sicht der Hauptprotagonistin. In ihrem späteren Werken springt Minette häufiger in den Zeiten, hier das mir lieber im normalen fast durchgängig chronologischen Stil.


Die Faszination macht natürlich der ungewöhnliche Fall aus. Aber auch die zwei komplett gegensätzlichen Hauptprotagonistinnen. Und nicht zu allerletzt die Geheimnisse die Olive selbst macht und die zunehmenden Widersprüche aller -sehr übersichtlichen- Protagonisten.


Relativ ungewöhnlich ist die Entwicklung der Geschichte so in dem letzten Fünftel des Buches. Man hat die ganze Zeit Ahnungen, die natürlich auch irgendwie erfüllt werden, allerdings wird das dann reichlich konstruiert. Glücklicherweise hat die Autorin nur wenig Personen eingeführt, so das man auch noch folgen kann, wer da gerade wieder in den Fokus gerät.


Der Plot um die Kneipe des Ex Bullen ist am Anfang super verwoben in die Geschichte bringt dann gegen Ende mehr Fragen als Antworten.





Technische Details von Minette Walters – Die Bildhauerin:


Getränkeliste: Gin Tonic 1x, Tee 4x, Kaffee 4x, Wein 8x, Wasser 3x, Champagner 1x, Bier 2x, Gin 1x, Kognak 3x, Wasser mit Aspirin 1x, Richtiger Schaumwein 1x


Sex & Drugs: Zigarette 21x, Kuss 2x, Handflächenkuss 1x, Nasenspitzenkuss 1x, Nasenkuss 1x, Homo Sex 3x, Sex 3x


Leichen: Mädchen 1x, Mann 2x, Frau 3x


Songs: Pavarotti Kasette 2x


Fortbewegungsmittel: Wagen 14x, Auto 5x, Ford Cortina Kombi 2x, Fischtransporter 1x





Spoiler


*****SPOILER******SPOILER******SPOILER******SPOILER******SPOILER*****

Ernsthaft glaubt ja keiner das das Originalgeständnis der Tathergang war, aber was und wie es genau war, werden wir auch am Ende nicht wissen. Dafür gibt es aber Optionen die möglich sind und ein Hauptszenario. In dem Hauptszenario hat Edward Clarks -der Nachbar- zuerst Sex mit dem Homosexuellen Vater von Olive und später dann auch ihr ein Kind gemacht und ein Verhältnis. Als Mörderin wird nachher Frau Clarks stilisiert, da sie von der Durchpopgeschichte ihres Mannes erfuhr. Eine Möglichkeit. Genauso gut könnte es Olive, ihr Vater oder auch Edward gewesen sein. Alle Möglichkeiten sind gegen Ende des Buches möglich. Das ihr Anwalt sie a) nicht leiden konnte und b) das Erbe ihres Vaters veruntreut hat, hat eine zeitlang eine schöne Falschfährte gelegt, aber dieser Strang kommt erst gegen Ende groß raus und versandet auch wieder zügig.

*****SPOILER******SPOILER******SPOILER******SPOILER******SPOILER****





Textprobe:


Roz versucht es anders. „Der neunte September 1987 war ein Mittwoch. Ihrer Aussage zufolge haben Sie die Leiche Ihrer Schwester und Ihrer Mutter im Lauf des Morgens und des frühen Nachmittages zerstückelt.“ Sie beobachtete Olive scharf. „Hat einer der Nachbarn was gehört, ist jemand gekommen, um nachzusehen, was los ist?“


An ihren Augenwinkel bemerkte Roz eine winzige Bewegung, die unter all dem Fett kaum wahrnehmbar war. „Es geht um einen Mann, nicht wahr?“ sagte Olive sanft.







Fazit zu Minette Walters – Die Bildhauerin:


Ein Mordsweib im wahrsten Sinne des Wortes treibt ein perfides Spiel. Eine Journalistin im Herbst ihrer Karriere aber im Frühjahr ihrer biologischen Uhr steht ihr gegenüber. Eine atemberaubende Hatz nach der Wahrheit mit vielen Wendungen und wenigen Verdächtigen. Hochspannung von der ersten Seite, so muß ein Krimi Trhiller aussehen.


94 von 100 möglichen Punkten

Kommentar schreiben

Kommentare: 0