Jonathan Kellermann - Jamey, das Kind das zuviel wußte

Ein Kinderpsychologe der sich nicht abschrecken läßt. Putzig, blumig und dennoch spannend von Anfang bis Ende. Liest sich teilweise verschrobelt, aber das ist absolut positiv gemeint.

Das nächste Buch aus dem Bücherschrank zum Luisenpark in Mannheim ist von Jonathan Kellermann und heißt Jamey – Das Kind, das zuviel wußte. Optisch sah es nach einem Thriller aus.





Zum Äußeren von Jonathan Kellermann – Jamey:


Vorne drauf Autor, Titel, BestBook und eine Nachtszene wo ein -offensichtlich kleiner- Junge ins hellblaue Nichts blickt.


Rückseite: Ein packender Psychothriller, den sie nicht mehr aus der Hand legen werden!

Seit Monaten treibt ein Mörder sein Unwesen. Die Serie gipfelt im Mord an einem Bankier. In der Mondnacht verschwindet der 17jährige Jamey Cadmus aus der psychiatrischen Klinik. Die Polizei findet ihn am nächsten Morgen – bei der Leiche des Bankiers.


Der Jugendpsychiater Dr. Alexander Delaware sucht, unterstützt von einer Schulkollegin Jameys, nach den Gründen für das seltsame Verhalten des Jungen. Dabei stellt sich heraus, daß Jamey von Dingen weiß, die nicht nur das Leben einzelner, sondern einer ganzen Region bedrohen...





Zum Innenleben von Jonathan Kellermann – Jamey:



Titel des Originals: Over the Edge

Copyright 1987 by Jonathan Kellermann


www.derclub.de, www.donauland.at, eine kurze Widmung, ein Vers aus Thomas Chatterons Werk, dann fängt das Buch mit Kapitel 1 auf Seite 7 an. Es endet auf Seite 539.


Im Heckklappcover ist ein schwarzweiß Foto des Autoren und folgende Infos: Jonathan Kellermann ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten amerikanischen Spannungsautoren. Seine Erfahrung als Kinderpsychologe liegt dem überragenden Erfolg seiner Psycho-Thriller zugrunde. Kellermann ist mit der Autorin Faye Kellermann verheiratet, gemeinsam haben sie vier Kinder.





Zum Buch Jonathan Kellermann – Jamey:


Dr. Delaware wird nachts von einem Anruf aus dem Schlaf geweckt. Jamey Cadmus den er früher als Kind betreute ist dran. Er redet wirres Zeug, scheint aber offensichtlich in einer auswegslosen Notlage zu sein. Bevor Delaware sich auf den Weg zu Jamey machen kann überschlagen sich bereits die Ereignisse.


Jamey wird mit einem blutigen Messer in der Hand neben 2 bestialisch abgeschlachteten Männern gefangen. Offenbar ist er der Lavendelmörder der schon seit geraumer Zeit die Gegend durch bestialische Morde an homosexuellen Männern unsicher macht.

Dr. Delaware wird von einem Anwalt eingeladen. Dieser handelt im Auftrag von Jameys Stiefeltern. Seine Eltern kamen auf eher merkwürdige Weise ums Leben und der Großindustrielle Cadmus zog Jamey als seinen Stiefsohn groß.


Jamey war aber nie ein normales Kind. Gemeinsam mit anderen überdurchschnittlich intelligenten Jugendlichen war er schon früh in einem Förderprogramm. Doch seine wenig soziale Art ließ ihn schon immer als Außenseiter durchgehen.


Sein Stiefvater und der Anwalt wollen das Delware ihnen hilft zu beweisen das Jamey zum Zeitpunkt der Tat (Tagen?) unzurechnungsfähig und somit nicht straffähig war.

Delaware will sich nicht instrumentalisieren lassen, aber gleichzeitig aus alter Verbundenheit zu Jamey ihm auch helfen. Doch je mehr er ermittelt und Stück für Stück zusammensucht, umso mehr Ungereimtheiten tauchen auf. Und als der der Lösung einen kleinen Schritt näher kommt, wird er vom Anwalt entlassen.


Auf eigene Faust ermittelt er weiter und auf einmal ist er der Gejagte,....





Meine Meinung zu Jonathan Kellermann – Jamey:


Wenn die technischen Details mehr als eine Seite ausmachen ist das meistens ein schlechtes Zeichen. Doch hier im Falle ist die blumige, sorry sehr blumige Sprache, nur Mittel zum Zweck. Es dürfte sicherlich kein Spoiler sein, wenn man zurecht vermutet das Jamey die Verbrechen nicht begangen hat. Doch was soll die ganze Inszenierung?

Doch zuerst kurz zum „Äußeren“: Kellermann kommt direkt zur Sache mit dem Mord, der Verhaftung Jameys, der Anstellung Delawares. Doch dann beginnt das Suchen und ermitteln. Obwohl er sehr blumig schreibt, bleibt das Buch durchgängig fast von der ersten Seite an spannend.


Allerdings dreht sich das Buch im ersten Drittel und auch das zieht sich durch bis zum Ende oft auf psychologische Ermittlungen und psychologische Hintergründe. Das erfordert schon viel Hirnschmalz den Ausführungen zu folgen.

Der Autor erzählt chronologisch was mir sehr gefällt. Im Rahmen der Ermittlungen wird logischerweise schon mal ein Blick zurückgeworfen, allerdings nur um zu erklären und nicht um vom Thema abzuweichen.


Allerdings muß man schon sagen, das die Lösung der Fälle extrem konstruiert wirkt, was aber im Rahmen der spannenden Handlung und nachvollziehbar logischen Handlungen der beteiligten Personen gut bis sehr gut erklärt wird.

Das trotz der bestialischen Morde der Gewaltfaktor eher gering ist, finde ich positiv, da der Autor mehr Wert auf Spannung als auf Schauwerte legt.


Auf der Buchrückseite wird ja auch angeteasert das Jamey nur ein Puzzleteil etwas größerem ist, kommt dann auch im Buch vor. Aber ehrlich gesagt diesen Psydo Ökokritischen Hintergrund hätte sich der Autor meines Erachtens schenken können, da er nicht wesentlich zum Storyverlauf und der Lösung beiträgt und meines Erachtens eher eine persönliche Affinität des Autors darstellt.


Ein versöhnliches Ende, verschwörerische Bösewichte, ein sympathischer Hauptdarsteller, eine spannende wenn auch konstruierte und blumige Sprache, macht die ganze Sache wirklich zu einem rasant spannenden unterhaltsamen Thriller. Allerdings verliert er sich fast seitenweise in die Kinderpsychologie und ein Grundinteresse für das Thema sollte vorhanden sein, um die Lösung und die Erklärungen zu verstehen.





SPOILER zu Jonathan Kellermann – Jamey


*********SPOILER***********SPOILER************SPOILER************SPOILER****************SPOILER*************Wer das Buch selber lesen möchte, dann bitte den Abschnitt hier überspringen. Natürlich ist Jamey nicht der Täter. Sondern in Wahrheit seine böse Stiefmutter die mithilfe des schmierigen Anwalts -sie sind sexuell verbandelt- Jamey gezielt in den Wahnsinn getrieben hat, um an das Erbe zu gelangen, was Jamey mit 18 erhalten hätte. Sein Stiefvater hat zwar Dreck am Stecken aber mit den bestialischen Morden die seine Frau mit dem Anwalt geplant hat wußte er nichts. Schön war auch die den Chauffeur und seine schizophrene Freundin als mordendes Rockerpaar zu inszenieren. Das gab der ganzen Sache nicht nur eine ordentliche Menge Spannung, sondern auch eine ordentliche gruselige groteske Skuriliät der Gewalt. Das man Jamey der ja immer in der Anstalt war die Morde unterschieben wollte, habe ich dann auch bis zum Ende selbst nicht kapiert.

*********SPOILER***********SPOILER************SPOILER************SPOILER****************SPOILER************





Technische Details von Jonathan Kellermann – Jamey:


Getränkeliste: Kaffee 9x, koffeinfreier Kaffee 1x, Orangensaft 1x, Bier 4x, Limonade 1x, Brandycocktail 1x, Tee 3x, Tee mit Sahne 1x, Saft 1x, Eiswasser 1x, dünner Tee 3x, bitterer Kaffee 1x, Scotch mit Soda 2x, Chivas 1x, Beefeater mit wenig Tonic 3x, doppelter Screwdriver 2x, Dosenbier 1x, Riesling 1x, Champagner 1x Wasser 3x, Sauvignon 1x, Jack Daniels 1x, Kakao 1x, Diätcola 1x, Gin Tonic 1x, Tanguey mit Eis 1x, Bourbon 1x, Whiskey 2x, Mineralwasser on the Rocks mit etwas Zitrone 1x, Scotch 1x, Martini 1x


Sex, Drugs & Rock'n Roll: Kuss 7x, Fingerkuss 1x, Zigarette 18x, Tabakpfeife 2x, Stirnkuss 1x, Wangenkuss 3x, Vergewaltigung 4x, Sex 7x, Kopfkuss 1x, Shagpfeife 2x, Filterzigarette 1x, Hasch 1x, Handkuss 1x, Wasserpfeife 1x, Beedie 1x, Onanie 1x, Marihuana-Joint 3x


Fortbewegungsmittel: dunkelgrüner Seville 3x, Tanklastzug 3x, silberner Porsche Targa 1x, brauner Ford 1x, Löschwagen 2x, Ambulanzen 5x, Feuerwehrautor 3x, Streifenwagen 3x, Mercedes 1x, Auto 9x, Schiff 2x, schwarzer Rolls Royce Phantom Limousine 5x, Polizeifahrzeug 1x, alter weißer Chrysler mit Rostflecken 1x, schwarzweißer Plymouth 2x, perlgrauer Mazda RX-7 3x, bronzefarbener Matador 4x, schwarzweißer Polizeiwagen 4x, Flugzeug 1x, cremeweißer 928 Porsche 1x, japanische Kombilimousine 1x, Wagen 6x, Mustang 2x, Krankenwagen 1x, Jeep 1x, Freizeitkarossen 3x, BMW mit aufgesetztem Heckspoiler 1x, Lastzug 1x, Harley 2x





Textprobe:


Er lief rot an, biß fest die Zähne aufeinander, sein Mund zuckte. Seine Schultern verkrampften sich, dann fielen sie kraftlos herab. Plötzlich wirkte er wie ein hilfloses Kind, wie ein kleiner Junge, der sich in eine Vorstandsetage verirrt hat. Mit vor Ärger erstickter Stimme sagte er:


Wir opfern uns auf für den kleinen Mistkerl. Jahrelang. Und dann geht er hin und tut so entsetzliche Dinge!“





Fazit zu Jonathan Kellermann – Jamey:


Für einen Thriller hat er Überlänge, was aber hauptsächlich an der blumigen Sprache des Autoren liegt. Wenig blutig, dafür viel Psychologie und viel Spannung, trotz vorhersagbaren Plots. Auch wenn das konstruiert wirkt, hat der Autor einige abgefahrene Ideen. Für mich eine leicht lesbare Spannungslektüre die ich gerne weiterempfehle.


Von mir 88 von 100 möglichen Punkten

Kommentar schreiben

Kommentare: 0