Carlo Manzoni - Signor Veneranda und andere kuriose Geschichten

Verrückte Mischung aus lahmen zahnlosen einfallslosen dummen Signor Geschichten auf der einen Seite und hoch phantasievolle und skurilen Kurzgeschichten in der zweiten Hälfte des Buches

Ein weiteres Buch was ich aus dem Bücherschrank im Luisenpark zu Mannheim gefischt habe ist von Carlo Manzoni und heißt Signor Veneranda und andere kuriose Geschichten.





Zum Äußeren von Carlo Manzoni – Signor Veneranda und andere kuriose Geschichten:


Vorne drauf groß der Autor, dazu Titel, Verlag Heyne und ein schmunzelndes gezeichnetes Gesicht.


Einfallsreiche, originelle und höchst amüsante Geschichte des beliebten italienischen Humoristen: Höhepunkte aus dem Schaffen Carlo Manzonis.


In den kuriosen Erzählungen über den Zeitgenossen Veneranda bestechen, jenseits von Logik und Vernunft, die typisch italienischen Narreteien. Das Skurrile, das Absurde sind wesentliche Elemente seiner Kunst.


Die Passion des Autors für phantastische, wunderliche Geschichten treibt hier die herrlichsten Blüten. Sie alle leben von jenem heiteren Humor menschlicher Unzulänglichkeiten, von denen Carlo Manzoni augenzwinkernd und mit spielerischer Leichtigkeit erzählt.


Von Carlo Manzoni sind bisher ...weitere Aufzählung, ISB Nummer, Bar Code und Preis 7,80 DM, Bestellnummer





Zum Innenleben:

Auswahl von Geschichten aus „Carlo Manzoni – 100x Signor Veneranda 1966“ und „Da stimmt was nicht 1955“, und „Die Lügengeschichten“ 1967, Printed in Germany 1988

Dann fängt das Buch mit der ersten Hälfte betitelt Signor Veneranda im eigenen Haus und vor fremden Türen auf Seite 5 an. Es endet auf Seite 316.





Zum Buch Carlo Manzoni – Signor Veneranda und andere kuriose Geschichten:


Das kann ich in aller Kürze abhandeln.


Die erste Hälfte des Buches sind Geschichten um Signor Veneranda. Geschichten von einer Länge einer ¾ Seite bis 1 ½ Seiten mit dem Humorfaktor a'la „Geht ein Mann in die Bäckerei und bestellt 99 Brötchen. Sagt der Bäcker Nimm doch 100. Sagt der Mann: Wieso? Sagt der Bäcker, dann hast Du 1 mehr. Haha. Also lauter bekloppte Geschichten die weder lustig noch unterhaltsam sind. Ein Beispiel folgt in der Textprobe und glaubt mir: Alle sind so!


Die zweite Hälfte überrascht. Hier gibt es Kurzgeschichten mit der Überschrift „Da stimmt was nicht“ und „Die Lügengeschichten“ die nach dem einfallslosen Vorgeplänkel doch im krassen Widerspruch steht. Die Kurzgeschichten gehen über wenige Seiten bis einige Seiten. Natürlich muß man Kurzgeschichten mögen, auf der anderen Seite auch ein wenig Spirit für das Ungewöhnliche, für das Paranomale haben.


Bei dem Punkte eigene Meinung werde ich mal 2 Kurzgeschichten anteasern, aber soviel vorab: Das ist wirklich skurril und durchgängig gut bis sehr gut gemacht.





Meine Meinung zu Carlo Manzoni – Signor Veneranda und andere kuriose Geschichten:


Zu dem ersten Teil mit dem Signor möchte ich mich gar nicht weiter äußern. Einfach das Textbeispiel lesen, dann weiß man Bescheid. Ich kann mir richtig vorstellen wie die Idee zu den 100 Geschichten entstand: Der Autor saß mit einem Freund bei einem guten Rotwein zusammen. Die Sonne prallt auf die Hirse und beim lallen meint der Autor „Wenn Du Deinen Wein ausgegessen hast, kannst Du ja noch was Brot trinken. Skoll“. Der Gast „ähem rülps da hast Du was durcheinander gebracht. Die beiden guggen sich an und weinbeduselt schmeissen sie sich weg wie lustig so scheinbar „verrückte“ Aussagen sind und dann pinnt der Autor immer noch stockbesoffen die Geschichten runter. Erstaunlich das sich dafür ein Verleger und Leser finden...


Der zweite Teil komplett anders. Besticht der erste Teil weder durch interessante Geschichten, noch durch sprachliche Brillanz, noch durch irgendwas was einen davon abhält das Ding direkt in den Müll zu werfen, kommen bei den Kurzgeschichten offensichtlich die guten Seiten des Autors zum tragen. Hier gibt es Geschichten, Spannung, subversive Elemente, intelligente Erzählstränge und eine breit gestreute Sprache, die durchaus phasenweise begeistern mag.


Kurz also 2 Geschichten aus dem zweiten Teil: 1) Gesellschaftsspiele. Eine illustre Runde trifft und vergnügt sich. Einer macht ein wenig Unterhaltung bis ein bislang unbekannter charismatischer Gast die Regie übernimmt: Er kann offensichtlich mehr als zaubern. Nicht nur zaubert er bei dem einen Geld ohne Ende, den anderen macht er jung und überhaupt hat er für jeden Gast ein Überraschung parat, bis er am Ende den Preis fordert : Die Seele. Diese metaphysische Anwandlung hätte man als Leser nicht mehr erwartet, kam also überraschend und ist wirklich intelligent und sympathisch geschrieben, zumal alle ihren Spiegel vorgehalten bekommen.


Im 2) Der Radrennfahrer erzählt ein passionierter Fahrer von seinem Leben. Er der nie gewinnen konnte oder wollte, hat nur einmal ein Rennen gewonnen und das in extrem verrückter Art und Weise. Weil er nie motiviert genug war, hat er sich immer auf die Starts konzentriert und war dort immer vorne. Ein guter Freund, ebenfalls ein Fahrer hat bei einem Rennen angekündigt für seinen Vater gewinnen zu wollen und dann mit dem Sport aufzuhören. Nach dem Startsprint ist der Erzähler und sein Freund alleine vorne. Gegen seine bisherige Art zu fahren, kämpft er verbissen um seinen Freund zum Sieg zu verhelfen und in der Tat fährt er nach ihm ins Ziel ein, nur um zu erfahren, das er gewonnen hat. Sein Freund kommt mit den letzten ins Ziel. Offensichtlich wurde er von dem Schatten des Vaters seines Freundes getäuscht und hat so eher aus versehen gewonnen. Das klingt nicht wirklich spannend, ist aber sehr intelligent und konsequent aufgebaut, das man diese und die weiteren Geschichten mit großem Interesse liest.


Denkt man sich also beim ersten Teil noch: Was soll das? Muß man zu dem zweiten Teil sagen: Wirklich gelungen. Gut geschrieben. Intelligente Geschichten, die allesamt jedoch einen Touch haben ins Unerklärliche zu gehen. Wer sich davon nicht abhalten läßt, bekommt aber tolle Geschichten zu lesen.





Textbeispiel (bitte Brille aufsetzen, denn so sind alle Geschichten des ersten Teils) von Carlo Manzoni – Signor Veneranda und andere kuriose Geschichten :


Tanzen Sie? 


Signor Veneranda hielt auf der Straße eine Dame an.


Gestatten Sie?“, fragte Signor Veneranda und verbeugte sich korrekt.


Was bitte?“, fragte die Dame.


Gestatten Sie?“, wiederholte Signor Veneranda. „Sie tanzen doch, nicht?“


Ob ich tanze?“ stotterte die Dame perplex, „was kommt ihnen denn ihnen in den Sinn?“


Mir, nichts“ antwortete Signor Veneranda. „Ich verstehe nicht, warum Sie sich so wundern. Ich frage Sie, ob Sie tanzen oder nicht. Wenn Sie nicht tanzen können, macht's auch nichts.“


Aber wollen Sie denn jetzt hier auf der Straße tanzen?“ stotterte die immer verwirrtere Dame.


Aber nein“ sagte Signor Veneranda, „warum, wollen Sie denn jetzt und hier tanzen?“


Ich will überhaupt weder jetzt noch hier tanzen“, sagte die Dame, die nicht mehr wußte, was sie sagen sollte, „aber Sie sind doch dahergekommen und haben mich eingeladen.“


Entschuldigen Sie“, sagte Signor Veneranda, „wenn ein Unbekannter Sie zum Tanzen einlädt, tanzen Sie dann?“


Warum sollte ich nicht?“ stotterte die Dame. „Ich tanze gern.“


Das ist aber kein guter Grund, um am hellichten Tag mitten auf der Straße im Verkehrsgewühl tanzen zu wollen“, sagte Signor Veneranda. „Und dann, was würden die Leute sagen? Musik gibt’s hier auch keine, wie könnten Sie also tanzen?“


Aber ich...“ stotterte die Dame immer noch verwirrer.


Aber Sie … was?“ schrie nun Signor Veneranda los, weil er die Geduld verlor. „Versuchen Sie's doch bei jemand anderen, denn wissen Sie, ich habe nicht die geringste Lust hier auf der Straße den Hanswurst zu spielen, nur um Ihnen einen Gefallen zu tun.“


Und Signor Veneranda drehte der Dame den Rücken zu und entfernte sich brummend.





Fazit zu Carlo Manzoni – Signor Veneranda und andere kuriose Geschichten


Verrücktes Buch. Total beknackte unhumorige unsympathische Geschichten und dann wirklich sehr abwechslungsreiche und durchgängig interessante intelligente Kurzgeschichten. Dennoch denke ich das man unterm Strich diese krude Mischung eher nicht braucht.


Die erste Hälfte 5 von 100 möglichen Punkten

die zweite Hälfte 84 von 100 möglichen Punkten macht einen Gesamteindruck von 46 von 100 möglichen Punkten und nicht wirklich eine Empfehlung

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