Aldous Huxlex - Schöne neue Welt

Ein Klassiker über eine Gesellschaft wo Individualität, Religion, Bildung und Vollkommenheit abgeschafft worden sind. Dafür gibt es endlos freie Drogen, freie Sexualität und eine genormte Gesellschaft wo jeder "glücklich" ist. Ich habe schon düstere und fiesere Dystopien gelesen.

Es gibt Bücher da weiß ich gar nicht wie die in mein Bücherregal gelandet sind. Bei dem Buch Schöne neue Welt von Aldous Huxley ist dem auch so, aber ich bin froh, das ich es gelesen haben und jetzt hier vorstellen werde.




Zum Äußeren von Aldous Huxley – Schöne neue Welt:


Man sieht eine weiße helle Treppe in einem offenen Gebäude, beim Ausgang oben ein strahlend blauer Himmel. Dazu Autor, Titel, Roman, Verlag


Rückseite: „Alles in allem sieht es ganz so aus, als wäre uns Utopia viel näher, als irgend jemand es sich vor nur fünfzehn Jahren hätte vorstellen können. Damals verlegte ich diese Utopie sechshundert Jahre in die Zukunft. Heute erscheint es durchaus möglich, daß uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahrhunderts auf den Hals kommt; das heißt, wenn wir in der Zwischenzeit davon absehen, einander zu Staub zu zersprengen.“ von Aldous Huxley


www.fischerverlag.de ISBN Nummer, Preis 8,20 Euro, Verlag Fischer




Zum Innenleben von Aldous Huxley – Schöne neue Welt:


Die „schöne neue Welt“, die Huxley in diesem Roman beschreibt, ist die Welt einer konsequent verwirklichten Wohlstandsgesellschaft „im Jahr 632 nach Ford“, einer Wohlstandsgesellschaft, in der alle Menschen am Luxus teilhaben in der Unruhe, Elend und Krankheit überwunden, in der aber auch Freiheit, Religion, Kunst und Humanität auf der Strecke geblieben sind. Eine totale Herrschaft garantiert ein genormtes Glück. In dieser vollkommen „formierten“ Gesellschaft erscheint jede Art von Individualismus als „asozial“, wird als „Wilder“ betrachtet, wer – wie einer der rebellischen Außenseiter des Romans – für sich fordert: „Ich brauche keine keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirklich Gefahren und Freiheit und Tugend. Ich will Sünde!“.


Huxley schrieb dieses Buch Anfang der dreißiger Jahre. In seinem Essayband „Dreißig Jahre danach“ (Brave neu world Revisited) konnte er seine Anti-Utopien an der inzwischen veränderten Welt messen. Er kommt darin zum Schluß: sozialer und technischer Fortschritt und verfeinerte Methoden der psychologischen Manipulation lassen erwarten, daß diese grausige Voraussage sich in einem Bruchteil der veranschlagten Zeitspanne verwirklichen werde.


Aldous Huxley wurde 1894 in Godalming / Surrey geboren. Er stammt aus einer angesehen Gelehrtenfamilie, wurde in Eton erzogen und studierte in Oxford. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Journalist und Kunstkritiker. Unter dem Einfluß der buddhistischen Lehre und der politischen Ereignisse in Europa entwickelte er sich in den dreißiger Jahren


amüsiert beobachteten Satiriker zum leidenschaftlichen Reformator, der die Welt durch eine universale mystische Religion zu heilen versucht. Huxley starb im Jahre 1963


Das Band enthält die einzige vom Autor genehmigte Übersetzung, 7. Auflage Januar 2011, ungekürzte Ausgabe, Copyright 1953 by Huxley


Dann eine Vorbemerkung des Übersetzers, Dann das berühmte Zitat von Shakespeares der Sturm wo auch der Titel herkommt, eine Vorbemerkung von Nikolai Berdjajew


Auf Seite 9 startet ein Vorwort von Albert Huxley aus dem Jahr 1946 was auf Seite 19 endet.

Der Roman startet mit dem ersten Kapitel auf Seite 20 und endet auf Seite 253.





Zum Buch und eigene Meinung → MEGA SPOILER


zu Aldous Huxley – Schöne neue Welt


Wer das Buch nicht kennt und für sich selbst entdecken möchte, sollte jetzt wegklicken. Ich werde alles erzählen was im Buch vorkommt, ich werde alles erläutern und somit -entgegen meine Gewohnheiten- keine Fragen zum Buch offen lassen. Wer das Buch aus Unterhaltungsgründen lesen will, dann bitte nicht weiterlesen, denn was gibt es blöderes als ein Buch zu lesen, wo man alles kennt? Ende, Inhalt, Erläuterung.


Meine Frau entdeckte mich mit dem Buch und meinte „Oh ein Klassiker“, das ist ein todsicheres Zeichen, das es ein Klassiker ist. Entsprechend für alle lesefaulen: Lest Euch die Wikipedia Seite durch. Das mach ich immer, aber so gut, zusammengefasst und interpretiert hat das Wikipedia selten. Dazu die erste Seite im Buch, die ich oben unter dem Kapitel Innenleben zusammengefasst habe und wer dann eine Inhaltsangabe oder Referat schreiben will/muß sollte sich noch das Gespräch von Michel und Mustafa Mannesmann durchlesen. Das ist das sechszehnte Kapitel ab Seite 215. Das Ganze dauert dann vermutlich 30 Minuten, aber man hat definitiv alles erfahren, was es zum Buch zu erfahren gibt.

Aber man raubt sich dem ganzen Lesespaß!

Nun denn aber der Reihe: Zu Beginn des Buches führt der Bund/Direktor eine Gruppe von Studenten durch die Brutstätten. Später werden wir erfahren das wir rund 500 Jahre in der Zukunft „sind“. Das Buch erschien 1932 und war damals rund 600 Jahre in die Zukunft verlegt. Die Menschheit hat Krankheit, Alter, Arbeitslosigkeit hinter sich gelassen. Es gibt einen Weltstaat und alle Menschen werden vor der Geburt genormt, die natürlich nicht natürlich verläuft, sondern über modernste Brutkästen. Und nicht nur das von Alpha bis Epsilon werden gezielt die Föten schon so manipuliert das über diese 5 Kasten die Kinder „entkorkt“ werden. Später werden sie nach diesem physischen Eingriff vor der Geburt auch gezielt psychisch so manipuliert, das sie ausschließlich für ihre Aufgabe leben.

Dafür werden sie auch mit unbegrenzter Sexualität belohnt, sowie mit der künstlichen Droge Soma die jeder in beliebiger Menge erhält, die ohne Nebenwirkungen einen in glückliche Träume verläßt.


Im Zweiten Kapitel lernen wir schon Henry kennen. Der viel mit Lenina abhängt, die ihrerseits den merkwürdigen Alpha Sigmund Marx gut findet. Aber hier zeigt der Direktor wie Babys anhand von Lärm und Stromschlägen von so bösartigen Dingen wie Blumen und Bücher ferngehalten werden. Denn Poesie und Natur lenkt nur von den gewünschten Ergebnissen des Weltrates ab. Getreu dem Motto „Geschichte ist Mumpitz“ ein Originalzitats Henry Fords, der hier als Begründer der Weltherrschaft herhalten muß und dessen T-Symbol sich wunderbar mit dem Kreuz überschneidet, wobei Religion in so einem totalitären Staat natürlich auch komplett ausgeschaltet ist.


Im dritten Kapitel lernen wir die Sexualität der damaligen Zeit kennen: Jeder ist Jedermannes Eigentum. Das heißt es gilt zu poppen bis der Arzt kommt und oder man wund ist. Das wird schon in Jugendzeit geübt. Und durch psychologische Schulung auch jedem (vor allen den Mädchen -schätze ich mal - ) beigebracht. Nur unser eigenbrötliche Sigmund findet das merkwürdig das sich die Frauen, besonders „seine“ Lenina sich so als Fleisch benutzen läßt. Aber er ist ja auch lieber melancholisch, als er zur Kunstdroge Soma greift. Das Kapitel endet in einem extrem verwirrenden mehrseitigen Dialogfregmenten verschiedener vorgestellter Personen. Und Leser die das Buch aus Unterhaltungsgründen gekauft haben, dürften spätestens das Buch wieder ins Regal zurückstellen. War man im ersten Kapitel von den Brutdefinitionen und Ausführungen schockiert und verwirrt, wird die Sprachbrillanz des Autor, spätestens hier dem normalen Leser zu viel.


Im vierten Kapitel lernen wir Sigmunds Freund Helmholtz Homes-Watson kennen. Obwohl er ein Alpha-Plus ist, nimmt er offensichtlich sein Soma nicht regelmäßig bis gar nicht. Er ist an Gesprächen, an Wissenschaft interessiert und ihn irritiert die totalitäre Gesellschaft. Aus diesen Gründen wird er später auch Michels bester Freund und konsequenterweise Mustafa Mannesmann Freund im Geiste.


Im fünften Kapitel springt Lenina über ihren Schatten und offenbart Sigmund mit ihm verreisen zu wollen. Sehr zu seinem Mißvergnügen geht sie aber noch mit Henry golfen und vermutlich später noch weiter einlochen. Sigmund muß dann – um nicht komplett aufzufallen- dann später noch an einer regelmäßigen Gruppensex Orgie teilnehmen. Ein Schicksal um dem man ihn wohl nicht beneiden sollte... Utopia halt....


Ab dem sechsten Kapitel wird das Buch auch für normale Leser lesenswert. Lenina und Sigmund fliegen zu den Wilden. Also Menschen die nicht genormt wurden, die sich -igitte bah pfui- natürlich vermehren und entsprechend Alter, Tod, Krankheit und Sünde kennen. Vor dem Abflug offenbart der Direktor Sigmund das er früher eine Freundin hatte, die er in der Wildnis verlor. Ärgerlich über seinen gedankenlichen Fax-Pax droht er jedoch Sigmund ihn nach Island zu versetzen, sollte er sich weiter so aufrührerisch verhalten.


Im siebten Kapitel sind Lenina und Sigmund im Reservat und während sich Lenina nur mit Soma über den Schock weiterhelfen kann, lernt Sigmund Michel und Filine kennen. Michel unterscheidet sich nicht nur optisch, nein seine Mutter scheint auch die „schöne neue Welt“ zu kennen, da sie lesen und schreiben kann, zwar Alkoholikerin ist und mit ihrer sexuellen Freizügkeit de Dorfdamen vergrätzt, aber nur ihr Soma vermißt.


Im achten Kapitel kapiert Sigmund das Filine die Ex vom Bund ist und beschließt die beiden in den Weltenstaat mitzunehmen. Wir erfahren auch wie verwirrend das Leben von Michel ist und wie integer sein Denken ist.


Im neunten Kapitel geht es zurück und Leninas Lenden streben nach Michels...

Im zehnten Kapitel will der Direktor Sigmund vor versammelter Mannschaft in die Verbannung schicken, doch Sigi zaubert Filine und seinen Sohn Michel aus dem Hut. Ein Skandal der den natürlichen freiwilligen Abgang vom Direktor fordert. Verrückte schöne Welt mag man sich denken. Aber aus dem verquasten psydowissenschaftlichen Anfang hat sich eine schicke Utopie im Stile Tarzan im 26 Jahrhundert entwickelt. Und das der Mensch das wahre Monster ist, hätte man sich schon vorher denken können.


Im elften Kapitel erfahren wir wie Sigmund alles eifrig Stasi mäßig Mustafa Mannesmann berichtet und wie Lenina mit ihrer Sex Offensive bei Michel abblitzt. Science-Fiction für einen verheirateten Mann, logische und konsequente Reaktion des Protagonisten für den unvoreingenommen Leser. Man hat es aber auch schon vorher geahnt, das sich Michel in dieser „schönen neuen Welt“ wie seine Mutter sagte -die seit ihrer Rückkehr nur noch unter Dauer Soma steht, was natürlich zum vorzeitigen Tod führen wird- sich nie zurecht geschweige denn wohl fühlen wird.


Im zwölften Kapitel lehnt sich Michel gegen seinen Entdecker, Förderer und Mentor Sigmund auf. Er hat es satt als Präsent vorgeführt zu werden und findet die schöne neue Welt immer grausliger. Sigi ein bucklicker Diener im Namen des Herrn und seiner falschen Rolle gefangen hat die schöne Zeit mit dem Wilden genutzt um seine Nudel mal richtig durchzuputzen und sich wichtig zu machen. Die Rechnung folgte schneller als er hups sagen konnte. Das kam erwartet und der geneigte Leser gönnt es ihm Michel der immer mehr zum Shakespeare Rezensenten wird, wird immer sympathischer, aber man ahnt das es nicht gut gehen kann und wird.


Das dreizehnte Kapitel bleibt unverständlich: Die nackte schöne brünftige Lenina wird vom Michel aus gewissensgründen nicht bestiegen. Spätestens wußte ich das es nur Science Fiction sein kann. Und wenn der Autor selber sagt, das Werk wäre 600 Jahre in die Zukunft geschrieben, aber 30 Jahre später sagt, das könne auch durchaus nur 100 Jahre sein, aber alleine die Szene, das ein Hetero Mann sich so eine Gelegenheit durchgehen läßt, gibt mir Hoffnung das wohl doch noch 600 Jahre vergehen bis dieses Szenario eintritt.


Im vierzehnten Kapitel wird Michel in die Moribundenklinik gerufen: Seine Mutter liegt im Sterben. Nicht nur das Filine ihren vorzeitigen Tod durch Soma in Kauf nimmt, auch das die Kinder bei den Sterbenden rumgeführt werden, um den Abstand zum Tod zu verlieren ist beängstigend und doch irgendwie verständlich. Ebenso wie Michels Reaktion als seine Mutter stirbt und wie die Kleinen das beäugen.


Im fünfzehnten Kapitel tickert Michel dann richtig aus und er mischt eine Versammlung auf, wo gerade Soma verteilt wurde. Als später Helmholtz auch noch auftaucht und sich Michel anschließt ist die Aufruhr komplett. Nur mit Somadampf und psychologischer Beschallung werden die Streithähne getrennt. Man ahnt, das dies der letzte aufrührerische Auftritt war.

Im sechszehnten Kapitel werden Michel, Helmholtz und Sigmund zu Mustafa gebracht, wo ihr Urteil gefällt wird. Während Sigi nach Island verbannt, darf sich Helmholtz sein Exil aussuchen. Da dieser gerne düster und melancholisch ist, und diese Atmosphäre für seine wissenschaftliche Arbeit braucht. Somit ist seine Verbannung für ihn -und schlußendlich für Mustafa- eher eine Belohnung.


Das siebzehnte Kapitel ist dann elementar für das Buch: Hier gibt es ein grundlegendes Gespräch zwischen Mustafa und Michel. Er offenbart Michel das er selbst Shakespeare und die Bibel gelesen hat. Anders jedoch als der unbelastete Michel weiß Mustafa zwar das es falsch ist, Geschichte und Religion zu unterdrücken, ja zu verbieten, aber zum Wohl der selbstgeschaffenen Gesellschaft ist es zwingend notwendig. Er selbst stand damals vor der Entscheidung verbannt zu werden, oder eine führende aber konforme Rolle zu spielen. Er hat sich für letzteres entschieden, akzeptiert aber Michels Entscheidung Alt und Krank zu werden und kurz gesagt zu sündigen.


Im achtzehn Kapitel lesen wir dann über Michels Leben in der Isolation. Doch durch seine Besonderheit kann er sich der Allgemeinheit nicht entziehen. Und obwohl er grob und abweisend ist, werden sie wie immer wie die Fliegen um dem Mist um ihn schwirren, somit ist das Ende logisch: Er hängt sich auf.


Tja so ist es dann. Wie bei Matrix: Aufgepaßt welche Pillen du schluckst. Schön ewig träumen, hier in Soma, oder doch die harte Realität erleben? Eine Zukunft wo alles genormt ist? Wenn man scheiße drauf ist, Soma schlucken, ansonsten immer glücklich sein. Sex bis ins hohe Alter, keine Krankheit, Zwischen 60 und 70 sorgen und schmerzfrei abtreten, dafür auf Individualität und Relegion verzichten? OK ich bin dabei. Das zählt eine üble Dystopie und totalitärem Staat?


Wie der Autor selber schon sagt: Wenn wir uns nicht vorher selbst wegbomben wird das schneller Realität als wir glauben. Und warum? Vermutlich weil wir, bzw viele es wollen. Uff au Aufschrei. Darf man nicht sagen. Bigotte Menschen, vielleicht wäre eine zweite Sinnflut wirklich mal an der Zeit....







Textprobe von Aldous Huxley – Schöne neue Welt:


Früher konnte man das alles nur durch große Willensanstrengung und nach jahrelanger harter Charakterbildung erreichen. Heute schluckt man zwei, drei Halbgrammtabletten, und damit gut! Jeder kann heutzutage tugendhaft sein. Man kann mindestens sein halbes Ethos in einem Fläschchen bei sich tragen. Christentum ohne Tränen – das ist Soma.“





Fazit von Aldous Huxley – Schöne neue Welt:


Zu Recht ein Klassiker. Schockt einen der Autor mit seiner verschrobelten Sprache und ausufernden ärztlichen Ausführungen, wird ab der Begegnung mit dem Wilden eine wirklich interessante Zweitwelt. Ob man diese wirklich betreten will oder nicht muß jeder selbst entscheiden. Grob gesagt die FAZ Leser nicht, die Bild Zeitung Leser ja. Wäre interessant zu erfahren, wie es in der Wirklichkeit ausginge, sofern nicht gerade mitten in der Erprobung sind......


Von mir satte 98 von 100 möglichen Punkten

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