Cordula Koepcke - Lou Andreas Salome

Die Frau die Nietzsche und Rilke den Kopf verdrehte, Freud in seiner Arbeit inspirierte und unterstütze und die für die damalige Zeit ein unglaubliches Selbstbestimmtes Leben lebte: Lou Andreas Salome.

Kurz vor der Ausfahrt blaue Tonne habe ich die Biografie der Lou Andreas Salome von Cordula Koepcke gefischt die ich hier nun vorstelle, bevor sie vermutlich dann die letzte Fahrt antritt.





Zum Äußeren von Cordula Koepcke – Lou Andreas Salome:


Vorne drauf ein Bild der Namensgeberin. Unter ihrem Namen dann: Eine Biografie von Cordula Koepcke und der Verlag Insel Taschenbuch


Rückseite: „Sie war von ungewöhnlicher Bescheidenheit und Diskretion. Von ihren eigenen poetischen und literarischen Produktionen sprach sie nie. Sie wußte offenbar, wo die wirklichen Lebenswerke zu suchen sind. Wer ihr näher kam, bekam den stärksten Eindruck von der Echtheit und der Harmonie ihres Wesens und konnte zu seinem Erstaunen feststellen, daß ihr alle weiblichen, vielleicht die meisten menschlichen Schwächen fremd oder im Laufe des Lebens von ihr überwunden waren.“ Sigmund Freud. Darunter das Logo des Insel Verlages und ganz unten die ISBN Nummer





Zum Innenleben von Cordula Koepcke – Lou Andreas Salome:


Lou Andreas-Salome, geboren am 12.Februar 1861 in Petersburg, ist am 5.Februar 1917 in Göttingen gestorben.


Vierzehn Jahre nach dem Tod von Lou Andreas-Salome erschien 1951 ihr nachgelassenes Alterswerk „Lebensrückblick“, eine Darstellung, die zeigt, mit welchen Persönlichkeiten der Geistesgeschichte – wie Nietzsche, Rilke und Sigmund Freud – die berühmte Schriftstellerin freundschaftlich verbunden war.


Cordula Koepke hat für die vorliegende Biographie eine Fülle an Material über Lou Andreas-Salome ausgewertet und die literarische, aber auch geisteswissenschaftliche Umfeld beschrieben, in dem er sich bewegte. Mit spürbarer Sympathie rekonstruiert sie den Lebensweg dieser außergewöhnlichen Frau, charakterisiert die Persönlichkeit und weckt das Interesse des Lesers für die Schriften der Lou Andreas Salome.


Insel Taschenbuch , Erste Auflage 1986, dann ein Gedicht von Lou Andreas-Salome


Inhaltsverzeichnis:


Rückblick auf ein Leben 11


Kindheit und Jugend: Herkunft-Heimat-Rußland 17, Ljola 22, Heimischwerden in der Fremde 40, Zum Studium in Zürich 44, Römischer Frühling 55, Lebenstraum und Lebensplan (Begegnung mit Friedrich Nietzsche) 83, Mädchenjugend 108


Geheimnisse der Ehe: Freundschaft und Vermählung 113, Gemeinsame Jahre 144, Die Gebundene 160, Neue Grundlagen 171


Die Zeit der vielen Reisen: Paris 1894 176, Zu Hause im Schmargendorf 180, Wien 1895/96 184


Rainer: Rilke und Rußland 194, Die Trennung 212


Das neue Leben: Ende und Anfang 225, Das Andere 230, Göttingen und Berlin 237, Im Reinhardt-Kreis 245, Eros-Erleben und Emanzipation 253


Rätsel und Lösungen: Merkzeichen des Lebens 265, Die Kindheit leisten 287, Die Versteherin 305, Die Freundin 314, Mitte des Lebens 325


Die Katastrophe: Lebensmut und Zerstörung 335, Nach dem Krieg 352


Letzten Jahre: Das Alter 378, Grundriß und Rückblick 399, Heimkehr 418

Im Spiegel 425


Quellennachweise und Anmerkungen 435

Bildnachweis 458

Personenregister 459

Literarturverzeichnis 466

Nachwort 470









Zum Buch – Inhalt und eigene Meinung von Cordula Koepcke – Lou Andreas Salome:



Hier muß ich zwei Sachen vorweg schicken: Zum einen findet man ja heute alles auf Wikipedia was Rang und Namen hat. Warum also eine Biographie lesen, wenn doch alles wesentliche auch kompakt auf Wikipedia zu finden ist? Auch hier gibt es 2 Antworten: Will man wirklich nur grob wissen wer Andreas-Salome war, reicht Wikipedia absolut. Wer allerdings die Wahrheit hinter der Wahrheit, die Feinheit der Details, die genauen Beweggründe für dieses außergewöhnliche Leben wissen will, der kommt um das Biographie hier sicherlich nicht herum.



Zum zweiten: Man kenne Nietzsche, Rilke, Hauptmann, Freud, alles Personen ihrer Zeitgeschichte, die sie und anders herum beeinflusst haben und doch dürfte der Name Lou Andreas Salome kaum jemanden etwas sagen, so auch mir. Und das eine Frau um die Jahrtausendwende so konsequent und ungewöhnlich ihren Weg geht, kann man kaum glauben, um so intensiver ist das Buch. Doch dem hochkomplexen Wesen der Lou Andreas Salome wird hier eine Autorin gerecht, die ganz klar die Zielleserschaft identifiziert: Feministinnen und handfeste Geschichtsforscher und das kann man durchaus auch schon mal gerne als Fazit verstehen, doch nun zum Leben und zum Buch:



Im Vorwort beschreibt die Autorin was das Ziel ihrer Arbeit, das Ziel des Lebens der Andreas-Salome und was die Grundlage ihrer hier vorgelegten Arbeit ist. Jedem By-the-way und Crossover Leser (wie ich) wird hier klar: Das ist kein Unterhaltungsroman, sondern richtig harter literarischer Tobak, der viel Gehirnschmalz kosten wird – und das ist mehr Versprechen, als Vermutung.



Ich hangel mich jetzt durch das Inhaltsverzeichnis: Im ersten Kapitel über Kindheit und Jugend wird einiges klar: Zum einen kann man solch ein priviligiertes und selbstbestimmtes Leben wie sie geführt hat, nur führen wenn man entsprechend priviligiert geboren wurde. Eine „armes“ Mädchen mit gleicher Veranlagung hätte die Chance so zu leben, sicherlich nicht gehabt. Aber das kann man Lou nicht zum Vorwurf machen. Doch hier kommt schon der große Unterschied zur eher kurzen, aber sehr nüchternen Wikipedia Chronik: Die Religions“bessenheit“ und ihr früher Gottverlust wird wegweisend für das ganze Leben von Lou sein und das wird hier erläutert. Wir erfahren auch hier, wie sie nach dem „Gottverlust“ und dem „Verrats“ ihres großen Mentors Hendrik Gillot ihr Glück in der Fremde sucht. Dabei war der Verrat nur das fleischliche Begehren, wo sie zu der Zeit doch ausschließlich dem Geistigen zustrebte. Doch diese Erfahrung ist wesentlich für die Entfaltung Ihres Wesens und Ihres Geistes. Das ist für eine Frau zur damaligen Zeit eine unglaubliche Wendung und wer bis hier in dem äußerst sachlich und fachlichen Wortlaut zu Recht kommt, darf gerne weiterlesen. Hier war für mich auch klar, das ich entweder sehr lange an diesem dünnen Buch lesen muß, oder das ich mir die Arbeit erspare und das Emanzipationsgedöns hier schenke. Doch der interessante Anfang rechtfertigte die Beharrlichkeit.


Im Kapitel Geheimnis der Ehe wird es für damalige Zeit „verrückt“: Sie hat mit Paul Ree und Friedrich Nitzsche 2 Männer im gleichen Geiste kennen und lieben gelernt, doch noch immer interessiert sie nur der Geist und nicht das Fleisch. Ja sie will mit den beiden Männern zusammenleben! Unter einem Dach! Doch es soll nur ein Bund im Geiste sein. Beide Männer begehren sie, doch Nietzsche kann dem Fleisch nicht entsagen und somit willigt er in den Lebensbund nicht ein. Im Gegensatz zu Friedrich Carl Andreas dessen Werben sie annimmt und ihn heiratet, aber mit der Bedingung: Kein Sex!


Und das Leben und die Männer werden das eine bleiben, die Kunst und ihre feingeistige Gedankenwelt. Sie lernt auch die fleischliche Liebe kennen, doch sie wird neben ihrem Mann nie lange mit einem Mann zusammenbleiben. Das er später ein Kind mit dem Hausmädchen zeugt und sie alle unter einem Dach friedlich wohnen, leben und arbeiten bleibt eine verrückte Zeitepisode.


Wir lesen und erfahren wie sie Rilke kennen und lieben lernte. Wie sie später Freud kennenlernte und erst zu diesem Zeitpunkt ihren Lebensschwerpunkt der Psychoanalyse widmete.


Das Leben von ihr: Feingeistig, hoch intelligent, „vogelfrei“ ist schon Ereignis und Geschichte genug. Die Art und Weise wie die Autorin ihr Leben beschreibt, macht das ganze -leider-nicht einfacher. Sicherlich im Bemühen ein Werk zu verfassen was Lou gefallen hätte. Aber für einen „gewöhnlichen“ Leser für mich sind die ganzen Zeitsprünge, die ewigen Zitate, die ständigen Gedichte extrem schwer zu lesen, geschweige denn zu verstehen.


Absolut zu Gute halten muß man der Autorin, das sie die berühmten Männer an ihrer Seite geschichtlich nicht ausschlachtet, wobei auch das Lou sicherlich gefallen hätte. Vielleicht ein Zeichen der patriarchischen Geschichts- und Nachrichtenübermittlung das man -zumindest ich- von Lou noch nichts gehört hatte, wobei man von Nietsche, Rilke und Freud glaubt die Herren sehr gut zu kennen, selbst wenn man sich für ihre Fachgebiete wie ich- nie interessierte.


Es bleibt aber Fakt, das trotz des hochinteressanten Lebens, die unglaublichen Entscheidungen und Wege die Lou getroffen hat, das ganze extrem schwer zu lesen ist. Die Sprache, die Zitate, die Gedichte, die Zusammenhänge, das alles ist für Leute gehoben, die sicherlich mehr als nur Realabschluß hatten. Außerdem muß man sich definitiv für Kunst, Prosa, Feminismus und Psychoanalyse zumindest im Ansatz interessieren, ansonsten hält man die unglaubliche Sprach- und Thementiefe nicht aus.


Schön sind auch die wenigen Bilder von ihr und weiteren interessanten zeitgenössischen Personen.




Textprobe von Cordula Koepcke – Lou Andreas Salome:


Was ihr einst als kleinem Kind, schockiert von dem Verlust seines Gottbildes, als Erkenntnis zuwuchs- das Zusammengehörigkeitsgefühl mit allem, was existent, sei es der Staub zu ihren Füßen, sei es der der Kosmos ingesamt-, hatte das heranwachsende Mädchen in der Philosophie Spinozas mit positiven Akzent versehen wiedergefunden.




Fazit zu Cordula Koepcke – Lou Andreas Salome:


Ich liebe Biographien und ich liebe interessante Leben. Beides trifft auf das Buch hier zu. Allerdings ist das sprachlich und thematisch so harter Tobak, so das man unbedingt sich für Feminismus, Kunst, Kunsthistorie und/oder Psychoanalyse schon deutlich interessieren muß, um dieses sprachliche Ungetüm wohlwollen zu goutieren.


Für meinen begrenzten Geist und meine eher Macho Persönlichkeit daher gut gemeinte 50 von 100 möglichen Punkten

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