Anne Perry - Tödliche Täuschung

Zuerst wir auf nette Art und Weise nur geredet und man philosophiert ob jetzt hier geschmust oder ermittelt werden soll. Dann gibt es eine Leiche. Und ab dann wird es wirklich abtrus und vollkommen unlogisch.

Ein weiteres Buch aus dem Bücherschrank im Luisenpark zu Mannheim nennt sich Tödliche Täuschung und stammt von Anne Perry.



Zum Äußeren von Anne Perry – Tödliche Täuschung


Das relativ dicke Taschenbuch zeigt eine Lücke im Wald, wo ein Schloß im Sonnenschein zu sehen ist. Dazu Autor, Titel, Roman und Verlag Goldmann.


Rückseite: Er ist jung, attraktiv und erfolgreich – und der begehrteste Heiratskandidat der Londoner Society. Doch seine Beliebtheit wird Stararchitekt Kilian Melville zum Verhängnis. Eines Tages steht er wegen gebrochenen Eheverbrechens vor Gericht. Kilian beteuert seine Unschuld, aber die Verleumdungen nehmen kein Ende. Dann wird Kilian tot in seiner Wohnung gefunden und alle glauben an einen Selbstmord. Doch Privatdetektiv William Monk hat seine Zweifel. Denn die Gerichtsmediziner haben sensationelle Neuigkeiten für die prüde viktorianische Gesellschaft. Und Monk macht schon bald ein paar sehr interessante Entdeckungen....


Ein Kriminalroman aus dem viktorianischen England. Dt.Erstausgabe, BarCode, ISB Nummer und Preis 20 DM




Zum Innenleben von :


Die Engländerin Anne Perry verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Neuseeland und auf den Bahamas. Schon früh begann sie zu schreiben. Mittlerweile begeistert sie mit ihrem Helden, dem Privatdetektiv William Monk sowie dem Detektivgespann Thomas und Charlotte Pitt, ein Millionenpublikum.Originaltitel : Whited Sepulchres, Dt.Erstausgabe 5/2000, Copyright Original 1997 by Anne Perry, eine Widmung, dann beginnt das Buch mit Kapital 1 auf Seite 7 und endet humorlos auf Seite 448.




Zum Roman Anne Perry – Tödliche Täuschung


Der erfolgsverwöhnte Rechtsanwalt Sir Oliver Rathbone bekommt einen überraschenden Besuch: Der junge gutaussehende hochtalentierte neue Star am Architektenhimmel Kilian Melville fragt bei ihm an. Er schildert das sein Gönner Adam Lambert eventuell ihn wegen Bruch des Ehegelöbnisses verklagen will und wenn das geschieht ob Rathbone ihn vertreten will. Rathbone ist verwirrt, warum so ein Fall die Gerichte belästigen soll. Doch es kommt zum Gerichtsfall und Rathbone nimmt wider besseren Gewissens den Fall an, den er nie gewinnen kann.


Dies bemerkt er früh genug und beauftragt seinen Freund und Kameraden William Monk (Privatdetektiv) mit Ermittlungen. Doch weder er, noch die gemeinsame Freundin Hester kann ihnen helfen. Auf Zillah Lambert liegt keine Schuld und Kilian Melville behält ein Geheimnis, was den Fall sicher weiterhelfen könnte. Doch der Fall scheint eindeutig: Kilian hat Zillah wohl nie die Ehe versprochen, aber obwohl sie ein Engel ist, kann und will Kilian sie nicht heiraten und bleibt standhaft bei ihrer Behauptung, das dies einfach ein dummes Mißgeschick ist.


Doch auf einmal wird Melville tot aufgefunden. Selbstmord, der Fall scheint klar. Doch über einen zweiten „toten“ Fall den Monk verfolgt, kommt eine völlig überraschende Wendung auch in den Melville Fall....






Meine Meinung zu Anne Perry – Tödliche Täuschung:


Das Buch hat rund 450 Seiten, aber erst auf Seite 276 mit dem Tod Melvilles kommt so was wie Schwung in das Buch. Wobei, eigentlich, ist das ganze recht interessant. Ein hoffnungsloser Fall und faktisch nur sympathische Hauptdarsteller. Alles wirkt behäbig, aber schick und irgendwie fiebert man mit, ob es Rathbone gelingt das Vertrauen von Melville zu erringen, damit wir wissen warum die so sittsame Mann diesen Hautpgewinn von hübscher netter Millionärserbin einlöst.


Doch auf einmal ist Melville tot und ich werde es im Spoiler erzählen, da gibt es eine faustdicke Überraschung. Bis dahin verwirrt uns die Autorin auf angenehme Art mit einem Nebenplot über die gemeinsame Freundin von Monk und Rathbone namens Hester in die beide wohl verliebt sind. Daher wußte ich auch bis zum Tod von Melville nicht, das dies ein Kriminalroman ist und kein Schicksal- oder Liebesroman.


Hester pflegt einen verwundeten Ex-Soldaten und zur damaligen Zeit galt eine Frau noch als reinrassige Hausfrau, von daher ist Hester mit Front Erfahrung als Sanitäterin im Krieg eine Exotin. Eine Exotin die aber intelligent und durchsetzungsstark ist. Doch auch sie kann den beiden im Melville Fall nicht helfen. Allerdings bittet die nette Haushaltshilfe des verwundeten Soldaten Monk um einen Gefallen den Hester unterstützt und obwohl der Fall keine Aussicht auf Erfolg hat, nimmt er um Hesters Willen an. Genau dieser schicksalshafte zweite Fall wird dann nachher den mittlerweile zum Kriminalfall gewordenen Roman lösen.


Oder um es kurz zu machen: War bis dahin noch viel bis alles klug und schlüssig, wird jetzt extrem konstruiert und es tun sich Logiklöcher auf, wo glatt eine echte Raumschiff Enterprise ohne sich die Flügel zu verkratzen durchsteuern könnte. Ich kann nur ahnen das Columbo und Hercule Poirot als Muse Pate standen. Allerdings gelingt Perry mit ihrem Mädchen viktorianischen Kriminalroman nicht mal ansatzweise die Tiefe um einen spannenden Kriminalfall zu zaubern. Dafür schien sie am Ende auch keine Lust mehr zu haben. Auf den letzten Seite werden dann die letzten offenen Fragen -auf extrem absurde Art und Weise- gelöst. Aber so kurz und unvollständig, das ich echt umblättern mußte um nach dem echten Ende zu suchen, was aber nicht mehr kam.



****SPOILER****


*****SPOILER 1********SPOILER 1*******SPOILER 1********SPOILER 1********

Man hätte es ahnen können und die Obduktion bringt es ans Tageslicht: Kilian Melville war eine Frau. Als Kind hatte sie schon Interesse an dem Beruf, zur damaligen Zeit durften aber Frauen nicht sowas studieren, folglich beschloß sie dann eines Tages als Mann zu arbeiten. Lediglich Wolf wußte von dieser Identität, aber auch dieser schwieg bis zum Schluß. So wird aber auch das Schweigen und das Geheimnis bekannt und klar.

*****SPOILER 1********SPOILER 1*******SPOILER 1********SPOILER 1********



***SPOILER FINAL***


*****SPOILER 2********SPOILER 2*******SPOILER 2********SPOILER 2********

Die einzige Person, neben dem Staatsanwalt die nicht positiv rüber kam, war Delphine Lambert. In Verbindung mit einem Giftmord passt auch gut eine Frau. Und jetzt kommt die faustdicke und wirklich saublöde Auflösung: Monk jagt neben dem Melville Fall einem Fall nach wo 2 mißgebildete Kinder vor 20 Jahren von ihrer Mutter abgegeben wurden, als der Mann starb. Hester und Monk finden -auf der letzten Seite- heraus, das Delphine die Mutter war und das sie ihren Mann mit gemahlenen Glas umbrachte. Daraufhin konnte sie die mißgebildeten Kinder abgeben, einen reichen Mann heiraten, ein perfektes Kind adoptieren und die perfekte Hochzeit planen. Als sie merkte das Monk ihrem Geheimnis auf der Spur war -woher eigentlich...?- hat sie Melville mit Gift umgebracht und zwar, jetzt haltet Euch fest: Sie hat den Schmuck den Melville ihrer Tochter schenkte mit Gift, das wie Staub aussieht (haha und das in der kurzen Zeit....) stark eingestäubt. Melville hat den Schmuck angefasst und an den Fingenägeln gekaut und somit soviel (und zwar reichlich) aufgenommen, das die Dosis tödlich war. Mann muß die Fingernägel haben, da der Arzt den Todeszeitpunkt relativ stark eingrenzen konnte und klar die große Menge des Giftes beziffern konnte. Oh Mann....was für eine Quarkauflösung....

*****SPOILER 2********SPOILER 2*******SPOILER 2********SPOILER 2********




Technische Details von Anne Perry – Tödliche Täuschung:


Getränkeliste: Champagner 2x, Limonade 2x, Tee 7x, Malzwhisky 2x, Whisky 3x, Bier 5x, Starkbier 2x, Portwein 2x, Kaltes Wasser 1x, Cider 1x


Sex, Drugs & Rock'n Roll: Pfeife 3x, Kuss 1x


Leichen: Mann 25x, Frau 3x, Männer/Frauen/Kinder ca 100, Menschen 896


Mobilität: Hansom: 9x, Kutsche 6x, Droschke 4x, Wagen 1x, Fuhrwerk 1x, Brougham 1x, Kohlenkarren 1x, Klipper 1x, Lastkahn 6x, Rollwagen 1x, Lastkarren 1x, Obstkarren 1x, Fischerboot 1x




Leseprobe:


Melville wandte sich mit starrer Miene ab. „Es steht mir frei zu heiraten … aber nicht Zillah Lambert. Damit ist die Sache erledigt. Es liegt nicht an ihr. Ich werde die Strafe auf mich nehmen. Tun sie einfach nur Ihr Bestes.“


Rathbone blieb noch eine halbe Stunde, aber er bekam nichts mehr aus Melville heraus. Um Viertel vor zehn verabschiedete er sich und ging nach Hause; der Wind hatte zugenommen, un der sturzbachartige Regen war noch überraschend kalt.






Fazit zu Anne Perry – Tödliche Täuschung:


Ich bin hin- und hergerissen. Ohne wie eine Kriminalroman zu wirken fing das ganze dann recht spannend an. Als dann endlich ein Kriminalfall vorlag konstruierte die Autorin so unplausibel und grauselig, das ich wirklich noch auf eine schicke Auflösung hoffte. Aber es wurde immer absurder. Keine Ahnung wie jemand mit so einer Begabung uns die viktorianische Zeit auferstehen zu lassen, dann so mit völlig unlogischen und unplausibeln Psydo Kriminal „Anfälle“ enttäuschen kann. Brrrr



29 von 100 möglichen Punkten

Kommentar schreiben

Kommentare: 0