Maria Beaumont - Extra Scha(r)f

Kurzweilig, saukomisch, nicht nur für Frauen. Leicht zu geniessen die erotischen Eskapaden die mit griechisch englischen KulturClash kombiniert werden. 

Immer wenn meine Mutter mir ein Buch leiht, bin ich -zurecht- skeptisch. Dem Buch Extra Scha(r)f von Maria Beaumont habe ich aus einer inneren Eingebung heruas noch einmal eine Chance gegeben.




Das Äußere von Maria Beaumont – Extra Scha(r)f


In hellblau mit 20 Schafen in 5 Reihen, wobei ein Scharf rosa mit Sonnenbrille ist. Dazu Autor Titel und Verlag Bastei Lübbe.


Rückseite: Wieder 2x4 Schafe darunter in rosa „Ein etwas anderes Schäferstündchen... Das perfekte Workout für Ihre Lachmuskeln!


Dann in weiß normal weiter: Bei Charlie läuft alles rund: Sie leitet einen exklusiven Bodystylingtempel (ein Sportstudio....), wo Promis und Normalos fitwandeln. Die Dinge (und vor allem Profitänzer Karl) sehen ausgesprochen gut aus. Doch leider möchte Charlies griechischer Daddy gern eine Hochzeit für sie ausrichten – für sie und einen reichen (nicht zwangsläufig hübschen) Griechen. Und Charlie fühlt sich ziemlich belämmert....


Und in rosa wieder: „Der Autorin gelang mit ihrem Debüt Marsha Mellow und ich ein scharfes Frauenroman um Sex und Fun“ von Woman, darunter wieder 4 Schafe, wobei eines wieder in rosa ist, der Barcode, ISBN Nummer und der Preis 7,95 Euro, www.luebbe.de





Zum Innenleben von Maria Beaumont – Extra Scha(r)f:


Maria Beaumont galt früher als das rosa Schaf der Familie, war sie doch die ungezogene Tochter eines einfach schlecht Englisch sprechenden griechischen Einwanderers. Dann wurde sie kreativ und verschaffte sich selbst eine neue Identität. Seitdem lebt sie als respektable Mittelklasse-Mutter-und-Gattin-und-Bestsellerautorin in einem noblen Vorort von London.


1+2 Auflage Mai 2006, 3.Auflage Juni 2006, 4. Auflage August 2006


Copyright 2005 by Maria Beaumont, Original: MissFit, Copyright für Deutschland 2006 by Lübbe GmbH


Dann beginnt das Buch mit Teil 1 – Das erste Bisschen auf Seite 5. Das Buch endet auf Seite 426. Es folgen noch 6 weitere Werbungen für vergleichbare Werke.






Zum Roman Maria Beaumont – Extra Scha(r)f:


Charlie lebt mit ihrer Familie (die kleinere Schwester Emily, ihrer Mutter -eine Engländerin- und ihrem Vater -einem gebürtigen Griechen) in London. Sie arbeitet in einem Fitnesstempel und hat eine beste Freundin Sascha und einen besten Freund, den schwulen Arbeitskollegen Daniel.


So weit so gut. Ihr Leben beginnt aus den Fugen zu geraten, als sie zur Studio Chefin befördert wird. Fast zeitgleich beginnt sie ein sexuelles Abenteuer mit dem Profitänzer Karl. Gleichzeitig will ihr Vater sie -gegen ihren Willen natürlich- mit einem Griechen verkuppeln.


Sie muß feststellen das Karl offenbar ein doppeltes Spiel treibt und es wohl auch mit Sascha treibt. Gleichzeitig bekommt sie Streß in ihrer Familie mit den Verkupplungsversuchen. Auch im Laden erweist sie sich wenig krisenfest und sicher.


Täglich eskalieren die Geschehnisse mehr und gerade als sie Karls düsteres Geheimnis gelüftet hat, kommt das Fernsehen ins Studio und ihr gerade erworbener Managerposten steht wieder zur Disposition....





Meine Meinung zu Maria Beaumont – Extra Scha(r)f:


Verrückt die über 400 Seiten kann man in wenigen Zeilen zusammenfassen. Dazu kommt, das weder das Ende überrascht, noch die Story irgendwelche Logik beinhaltet und doch werde sogar ich als Mann durchgängig sehr humorvoll und rasant unterhalten. Beaumont hält das was so ein Billigheimer Comicer wie Tommy Jaud nur verspricht.


Das ganze ist lustig, es rührt an, obwohl es einfach zu oft absurd und eindeutig Frauen als Zielgruppe hat, bleibt es dennoch glaubhaft (aus Sicht der Heldin). Und dabei scheint sie ja nur ihre eigene persönliche und familiäre Erfahrungen auf Romanform gepimpt zu haben. Eventuell hat sie vielleicht noch ein paar erotische Finessen aus dem Phantasiefaktor hinbeigemischt.


Selten habe ich mich so durchgängig gut unterhalten gefühlt. Schön ist auch die Beschreibung wie unsere Heldin die Situationen erlebt. Vielleicht ist es einfach auch nur die Genugtuung das Beaumont die erste Frau ist, die nicht in das Horn „alle Männer sind schwanzgesteuert und Frauen stehen auf innere Werte“ stößt. Das ist ja bekanntermaßen völliger Blödsinn. Die wenigen Frauen die ehrlich und offen sind, geben natürlich auch zu, das ein Mann erst mal geil aussehen muß. Wer will schon einen netten sensiblen fürsorgenden Mann? Frauen wollen Schweine, genauso wie Männer halt eher auf die Schlampen stehen.


OK ein wenig Fantasy ist auch dabei. Als verheirateter Mann kann ich mir halt nicht vorstellen, das eine Frau so sexgeil ist. Egal, anderes Thema.


Lange rede kurzer Sinn: Trotz der albernen Aufmachung, dem blöden Wortwitz im Titel ist das eine rasante Achterbahnfahrt im Leben einer Teenagerin, die zwar vieles falsch macht, die aber trotzdem total sympathisch ist und wo man noch gerne (trotz des extrem vorhersehbaren Endes) weitergelesen hätte.





Technische Details:


Getränkeliste: Cappuccino 1x, Whiskey 1x, Wasser 2x, Nescafe 1x, Champagner 3x, Bier 3x, Krug-Champagner 1x, Wein 3x, Sprite 1x, Lucozade 1x, Tee 5x, Cola Light 2x, Kaffee 4x


Sex, Drugs & Rock'n Roll: Heroin 1x, HomoSex 2x, Kuss 13, Sex 14x, Halskuss 1x, Wangenkuss 4x


Leichen: Wüstenspringmaus 1x, Frau 1x


Beförderungsmittel: zu Fuß 1x, U-Bahn 6x





Textprobe:


Ich blicke sie an, schuldbewusst. Bestimmt riecht sie es an mir – l'Eau d'Orgasme. Ich fühle mich erbärmlich. Sasha ist nicht gut drauf, sie braucht Trost und Wärme und mütterlichen Rat, und das ausgerechnet von einer Freundin, die gerade eben rein zufällig eine heiße Nummer mit einem Wildfremden auf einer Behindertentoilette geschoben hat.





Fazit zu Maria Beaumont – Extra Scha(r)f:


Ich mach es kurz: Wem Tommy Jaud zu gaga ist, oder auch ihn toll findet, wird Maria Beaumont lieben. Obwohl die Zielgruppe Frauen ist, wird hier jeder fündig der gerne mal lacht und kichert und keine allzu hohen Ansprüche auf ein überraschendes Ende erhebt. Ich habe mich wirklich auf jeder Seite gut unterhalten gefühlt und das ist mir schon lange, sehr lange nicht mehr passiert. Respekt.


95 von 100 möglichen Punkten

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