Karl Heinz Jardner - Ganz Nah Ost

Ein Buch Bilderband über den Osten kurz nach der Wende. Mir persönlich zu düster und Eindimensional

Als Geschenk hatte ich mal das Fotoband Ganz Nah Ost von Karl Heinz Jardner erhalten. Das habe ich mir gestern mal zu Gemüte geführt und stelle hier eine kurze Vorstellung des Bandes dar.




Zum Äußeren von Karl Heinz Jardner – Ganz Nah Ost (East Germany, Up Close and Personal):


Das Fotoband hat DIN A5 Format und ist in hochwertigen Foto gedruckt. Vorne drauf sieht man das Bild: Mann und Trabbi in Mecklenburg-Vorpommern 1990. Dazu Autor, Titel und Untertitel (East Germany, Up Close and Personal) und den Verlag Büchse der Pandora.


Rückseite: Eigentlich wollte er nur mal den Kreidefelsen auf Rügen sehen – Doch dann entdeckte er den spröden Charme des Ostens: Bei einer Reise durch die DDR macht der Fotograf Karl Heinz Jardner im Wende-Frühling 1990 faszinierende Fotos – und dokumentierte eine Welt, die bald für immer verschwand.





Zum Innenleben und Buch zu Karl Heinz Jardner – Ganz Nah Ost (East Germany, Up Close and Personal)


Wir sehen eine Deutschlandkarte mit der Reiseroute von Jardner im Mail 1990 (von Mecklenburg-Vorpommern runter bis nach Berlin. Dazu eine grobe Europa und eine zweigeteilte Deutschland/DDR Karte und kurze Erläuterungen.


Auf den nächsten 3,5 Seiten beschreibt der Fotograf wie er zu der Reise kam, was ihn dazu bewegte und seine allgemeinen Gedanken zum Hier, Jetzt und dem was wohl kommen werde. Links immer auf Deutsch, rechts auf Englisch.


Auf den nächsten 66 Farbfotos aus 1990. Auf den nächsten 4 Seiten dann die Erläuterungen zu den Bildern, hier auszugshaft: Waschtag in Sellin auf Rügen, Prosit auf die Deutsche Einheit: Frühschoppen in Mecklenburg-Vorpommern, Strand-Villa als Milchbar, Junge Liebe am Strand von Sellin.


Die nächste Seite ist über den Fotograf u.a. Karl Heinz Jardner geboren 1953 in Westerholmfeld/ Kreis Flensburg, aufgewachsen in Essen im Ruhrgebiet, Postbeamter, Dachdecker, Maschinenschlosser, 1977-1984 Fotodesignstudium an der Folgwangschule in Esse bei Inge Osswald, Otto Steinert, Erich vom Endt, seit 1984 freischaffender Fotodesigner


Dann was zu den Kunden, seine Themen und der Kontakt, es folgt ein ganzseitiges Foto des Fotografen und das Buch endet mit dem Impressum.




Meine Meinung zu Karl Heinz Jardner – Ganz Nah Ost (East Germany, Up Close and Personal):


Einem geschenkten Gaul schaut man nicht in den Maul. Es gibt interessante Querverbindungen. Meine Frau war zu DDR Zeiten in Berlin am studieren und wir beide sind ebenfalls in einem Frühstadium nach Ostdeutschland gefahren um uns das Land vor dem großen Wandel anzusehen. Allerdings führte unsere Route von ganz Nordostdeutschland bis ganz Südostdeutschland.


Von daher war ich mal ganz gespannt, was der Autor zu berichten hatte, von seiner Reise. Er war ja dichter dran, zumal er auch schon zu DDR Zeiten wohl Klaus Lage auf einer Ostdeutschlandtour begleitet hatte. Der Autor/Fotograf berichtet von seinen Eindrücken, das er zuerst ja nur die Kreidefelsen sehen wollte, aber dann von Land und Leute so inspiriert wurde, das er kurzentschlossen diesen Fotoband festgehalten hat.


Durchaus interessant berichtet er über seine Beweggründe und die Kontakte die er sammeln konnte. Seine Gefühle und seine Eindrücke hat er dann in den vielen Bildern festgehalten, die dann folgen.


Und hiermit enden dann die Gemeinsamkeiten.


Der Mann ist Profi-Fotograf, ich bin Hobbyknipser und war wenige Jahre nach ihm in Ostdeutschland. Auch ich, bzw meine Frau und ich waren von dem Land fasziniert. Unberührte Landschaften, offene Menschen, mein erster FKK Tag am Campingstrand, absolut hochgezüchtete Touristenattraktionen, sehr viel Geschichte und zeitgenössische Kunst, zwischen den Vorzeigealleen dann auch die brachliegenden Plattenbausiedlungen und Zeichen des Niederganges, faszinierende Kleinode wie Görlitz und Bautzen, abseits der Mainstream Pisten.


Der Fotograf legt in seinen Bildern -in meinen Augen- einen großen Wert auf Nähe. Er fotografiert Menschen, Gebäude, Familien, Zerfall und inszeniert mit viel Symbolik die Relikte der alten Ost-DDR. Das ist für mich neutral. Ich bin weder begeistert, noch finde ich das doof. Es ist halt künstlerisch und er hält die Kamera auf die Objekte die ihn faszinieren. Das dies -zumindest für mich- trüb und trostlos in vielen Bildern rüberkommt, mag auch daran liegen, das ich es heller, bunter, lauter mag. Mehr Freude, mehr Sonne, mehr Hoffnung.


Bei Jardner überwiegen die Moll Töne. Klar die gab es, und wird es immer geben. Ich habe wenige Jahre später auch solche Bilder gesehen. Aber ich habe auch ganz tolle andere Sachen gesehen. Familien in der Sonne in MeckPom, Studenten am FKK-Strand, verlassene Skisprungschanzen im Sommer (zum selbst besteigen, herrlich), Traditionelle Feste und Kostüme in der Provinz (Bautzen), Touristengruppen in Leipzig und Dresden (tolle Bilder, wenn man Fotos von Menschen macht, die fotografieren).


Das würde ich ein wenig als Vorwurf machen. Jardner legt den Blick nur auf das Trübe, auch die wenigen Menschen die lachen, oder was er als junge Liebe beschreibt kommt in Moll rüber. Der Osten hat so viel bunte, helle, positive Momente, das man das auch mit hätte festhalten können und trotzdem der Geschichte gerecht würde.


Aber wie erwähnt: Ich bin ja kein Künstler.





Fazit zu Karl Heinz Jardner – Ganz Nah Ost (East Germany, Up Close and Personal):


Gekauft hätte ich das Band nicht, da mir die Bilder zu trist sind. Das eine oder andere interessante Foto ist auch dabei und wenn der Autor so ein Spaß hat, ein Land vor dem großen Wandel festzuhalten, kann ich ihm ganz heiß Kuba empfehlen. In dem Sinne, interessant zu sehen und lesen, aber kein Muß im Bücherschrank.


Aufgrund meiner persönlichen Erlebnisse nur 47 von 100 möglichen Punkten

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