J.A. Kerley - Krank

Wie man einen Hochspannungs Thriller schreibt, ohne in einem Gewaltporno zu Ende. Geht doch. Na endlich. Ein Buch, das durch Story, Charaktere und packende Abwechslung besticht. Mein Erster, aber nicht mein Letzter Kerley!

Eine weitere Amazon Empfehlung habe ich gelesen (oder war die von einem Ciao user?) und die stelle ich nun vor: Krank heißt das Werk von J.A. Kerley.



Zum Äußeren von J.A.Kerley – Krank:


Man sieht ein offengelegtes Organ (Herz?), darüber den Aufkleber: Vorsicht Dieser Autor macht süchtig. Autor, Titel, Thriller, Verlag Ullstein


Rückseite: Wer den Teufel mit dem Beelzebub austreibt... Eine Frau wird in einem Teich ertränkt, ein Pfarrer qualvoll vergiftet, ein LKW-Fahrer unter seinem Truck zermalmt. Detective Carson Ryder jagt einen Serienmörder, dessen bizarre Mordlust keine Grenzen kennt. Er sieht nur einen Ausweg und bittet heimlich seinen psychopathischen Bruder Jeremy, ein Profil des Mörders zu erstellen. Doch als dieser ihm den entscheidenden Tipp gibt, ist es scheinbar zu spät – Carson wird selbst zum Gejagten.

...endet manchmal in der Hölle! Deutsche Erstausgabe, Bar Code, ISBN Nummer und Preis 9,99 Euro.





Zum Innenleben:


Eine weitere Inhaltsangabe und dann was zum Autoren: J.A. Kerley lebt in Newport, Kentucky. Er ist ein Star der amerikanischen Thrillerszene. Seine Thriller mit dem Ermittler Carson Ryder und seinem psychopathischen Bruder Jeremey bescheren ihm auch in Deutschland eine stetig wachsende Fangemeinde.


Www.ullstein-taschenbuch.de, 1.Auflage April 2012, Copyright 2010 by Jack Kerley, Originaltitel „Buried Alive“ by Harper London, Titelabbildung: Kastanie: Copyright GettyImages/Dorling Kindersley,


Eine Widmung, dann fängt das Buch mit Kapitel 1 auf Seite 7 an. Es endet auf Seite 378, eine Danksagung und 3 Seiten Werbung




Zum Buch J.A.Kerley – Krank:


Der Hecklappentext beschreibt das Buch schon ganz gut. Zu Beginn des Buchs wird Detective Ryder um Amtshilfe gebeten. Es geht um Bobby Lee Crayline, ein Alptraum für ihn, da dieser Mann unglaubliches vollbracht hat und extrem furchteinflössend ist. Bobby soll unter Hypnose befragt werden. Etwas was Ryder auch für unsinnig hält, doch seine Verteidiger setzen ihr Recht durch.


Bei der Hypnose rastet Bobby vollkommen aus. Dabei verletzt er sich und bei der Verlegung auf die Krankenstation gelingt ihm -die offensichtlich organisierte- Flucht.


Ryder hat genug, er bekommt ein Urlaubsangebot was er nicht ausschlagen kann. Nach wenigen Tagen Erholung in freier Natur, bekommt er einen Anruf und wird zu einer Hütte gelotst. Dort angekommen findet er einen zu Tode gefolterten Mann. Dumm nur das ausgerechnet als er den Toten gefunden hat, erst mal die Polizei kommt und ihn für den Täter hält.


Bis das Mißverständnis aus der Welt geschafft ist, hat sich auch schon das FBI eingeschaltet und Ryder sowie die hiesige Polizei ist erst mal aus dem Rennen. Denkt das FBI.


Doch 2 weitere mysteriöse Morde vermiesen Ryder seinen wohlverdienten Urlaub. Und zu allem Überfluß scheint hinter seinem charmanten Urlaubsangebot auch sein psychopathisch veranlagter Bruder Jeremey zu stecken. Obwohl dieser polizeilich gesucht wird, hat er es unter Fremden Namen geschafft, hier eine zweite Existenz aufzubauen. Und wie immer weiß Jeremy wieder mehr, deutlich mehr, als er zugibt.


Während die Morde näher kommen und brutaler werden, dämmert es Ryder immer mehr das irgendwie Bobby damit zusammenhängt, doch auf einmal ist er selbst der Gejagte und es gibt keinen der ihn jetzt noch retten kann....





Meine Meinung zu J.A.Kerley – Krank:


Es ist schwierig etwas über den Thriller zu schreiben, ohne die Spannung zu zerstören. Der Thriller verdient seinen Namen, soviel vorab. Es geht aber der ersten Seite los und hält das hohe Tempo, ehe ihm dann doch eine relative profane Auflösung auf den letzten Seiten den grandiosen Gesamteindruck ein wenig zurücknimmt, doch der Reihe nach.


Im Gegensatz zu den ekelhaften Gewaltexzessen eines Edward Lee schafft es Kerley extrem brutale Verbrechen so zu schildern, das Hochspannung erzeugt wird, aber es keine Show der Betroffenen gibt. Die sehr gewaltätigen mit Folterexzessen geschilderten Morde sind nicht so detailiert beschrieben, das einem schlecht wird, aber deutlich genug um das Monster des Mörders deutlich zu schildern.


Ryder ist auch nicht der typische Superbulle, oder der typisch desillusionierte Cop. Er ist ein einfacher, sympathischer mitten im Leben stehender normaler Typ, der glaubhaft rüberkommt.


Auch der Aufbau ist absolut gelungen. Zuerst wird die Situation um Bobby geschildert. Dann die Auszeit von Ryder. Dann die erste Konfrontation mit dem Mord. Die unterschiedlichen Charaktere der örtlichen Polizei. Die eher schablonenhafte Zeichnung der Fbi Agenten und als Sahnehäubchen sein Bruder Jeremy.


Kaum zu glauben aber gerade das Zusammenspiel mit seinem Bruder gibt dem Thriller den richtigen Drive. Das bekommt immer so ein bißchen Psychothriller Element, wenn Jeremy aktiv wird. Auch interessant dessen schillernde Persönlichkeit so zu beschreiben, das man die Vielfalt des Charakters rauskehrt, aber gleichzeitig einen Blick in diese verwirrte Seele gezeigt bekommt und doch das Gefühl hat, diese Intelligenz ist nicht die einzige Verbindung zu Hannibal Lector.


Wenn dann Ryder mit Akribie und der Hilfssherrifin dem Täter näher kommt, könnte man das ganze noch versauen, indem man zu schnell und einfach den offensichtlichen Fährten folgt. Doch das Buch hat noch 2 ganz interessante Wendungen, auf die man so einfach nicht kommen kann. Das dann gegen Ende eher banal alles gelöst und geklärt wird, ist zwar ein wenig billig, aber bis dahin wurde man so gut und so spannend unterhalten, das man das dem Autor verzeiht.





****SPOILER******SPOILER******SPOILER*******SPOILER******SPOILER*******************************Spoiler: Das ganze Buch dreht sich offensichtlich um Bobby und Ryder. Das Jeremy viel tiefer drin steckt, kommt immer zwiebelartig hervor. Jeremy hatte sich viel mit Bobby unterhalten. Und dieser seinen einzigen Bezwinger in seinem Kampfgewerbe nicht entführt und mißhandelt, sondern ebenso ausgebildet wie er sich selbst ausgebildet hatte. Damit taucht auf einmal ein psychopathischer Mörder auf mit dem keiner gerechnet hat. Das dieser sich auf perfide und ekelhaft adäquate Art und Weise an seinen Peinigern rächt, die ihn und unter anderem Bobby als Kinder vergewaltigt und gequält hatten, mag ein Motiv sein, ist aber leider dann nach den ganz starken Seiten irgendwie zu viel. Aber brillant wie Jeremy mit drin hängt, u.a. das er das Geocoaching Zeichen als Zeichen aus den Kindheit der beiden Psychopathen konzipiert hat. Ebenso wie dieses Schlitzohr mal wieder seinen Bruder rettet, auch wenn er dabei riskiert selbst entdeckt zu werden. Spoiler********

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Technische Details von J.A.Kerley – Krank:


Getränkeliste: Kaffee 9x, Wein 1x, Bier 3x, Eistee 2x, Schnaps 1x, Tee 1x, Ale-8-One 1x, Cognac 1x, Kaffee mit Markers Mark 1x, Whiskey 1x, Mineralwasser 1x


Sex, Drugs & Rock'n Roll: Zigarette 5x, Sex 5x, Lesben Sex 5x, Handkuss 1x, Vergewaltigung 10x, Tabak 1x, Falter 2x, Kuss 1x, Wangenkuss 1x


Leichen: Reh 1x, Kind 1x, Leichen 3x, Mann 18x, Frau 3x





Textauszug:


„Bockt man den Lieferwagen einen halben Meter auf, kann man Burton darunterschieben und die Hände so fixieren, dass er sich nicht rühren kann. Anschließend senkt man den Wagen zentimeterweise ab. Vermutlich war Burton noch so weit bei Bewusstsein, dass er hören konnte, wie seine Rippen brachen, während sein Brustkorb zusammengepresst wurde.“





Fazit zu J.A.Kerley – Krank:


Hochspannend von der ersten Seite. Glaubhaft mit einem sympathischen Ermittler und dessen mysteriösen Bruder der den Charme und einiges mehr offensichtlich von Hannibal Lector hat, ohne allzuvergleichend wirken zu wollen. Das Buch legt man wirklich nur sehr ungern aus der Hand, weil es so flott geschrieben ist. Dennoch, auch wenn man mal eine Pause macht kommt man wieder gut rein und fühlt sich direkt wieder top unterhalten. Das war mein erster Kerley, aber sicherlich nicht mein letzter. Ein sehr gutes Buch, was ich Thrillerfans vorbehaltlos empfehlen kann.


100 von 100 möglichen Punkten. So muß ein Thriller sein

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