Siri Hustvedt - Die unsichtbare Frau

Eine junge sympathische Studentin erzählt aus ihrem Leben. Bewegend, unterhaltsam, rätselhaft, humorvoll, erotisch kurzum: Kurzweilig

Um den Umzug zu verkleinern sortiert meine Frau aus. Das Buch „Die unsichtbare Frau“ von Siri Hustvedt erschien mir aber dann doch lesenswert. Gesagt getan und jetzt hier rezensiert.



Zum Äußeren von Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau:


Vorne drauf ein schwarz weiß Antlitz einer sehr anmutigen Frau, Autor, Titel, Roman, Verlag Rororo


Rückseite: „Eine literarische Meisterleistung“ von FAZ


Iris Vegan, Literaturstudentin in New York: eine intelligente, schöne Frau, aber auch unsicher, beeinflussbar, auf der Suche nach sich selbst – eine Idealfigur für die Phantasien der Männer. Wie unter einem inneren Zwang läßt sie sich auf eine Reihe von erotischen Abenteuern ein.


„Die unsichtbare Frau“ ist die Geschichte einer Obsession; erzählt in einer fiebrigen und doch glasklaren Prosa.


ISBN Nummer, Barcode, Preis 8,95 Euro





Innenleben von Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau:


Siri Hustvedt, geboren 1955 in Northfield/ Minnesota als Tochter eines Skandinavistik Professors und einer Norwergerin, studierte an der Columbia University und promovierte über Charles Dickens. Sie ist mit dem Schriftsteller Paul Auster verheiratet, mit dem sie einen Stiefsohn und eine Tochter hat. Nach zwei Bänden mit Gedichten erschien ihr vorliegender erster Roman, ferner weitere Romane.


Original erschien 1992 als „The Blindfold“ in New York, 5.Auflage März 2005, Veröffentlicht im Rowohlt TB Verlag Hamburg März 1995


Eine Widmung an Paul Auster, das erste von 4 Kapiteln fängt dann auf Seite 9 an. Das Buch endet auf Seite 267. Es folgen ein paar Seiten Werbung.




Zum Buch Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau:


Die junge Studentin Iris Vegan erzählt in einer Rückblende aus ihrem Leben und wie sie Mr Morning kennengelernt hat. Mr Morning ist ein mehr als merkwürdiger Schriftsteller und er bittet Iris ein Gegenstand aus einer Schachtel zu beschreiben, sie muß die Beschreibung auf ein Tonbandgerät flüstern. Sie hält es für einen Scherz, aber die Belohnung läßt sie den Job dann doch machen. Das ganze kommt ihr mehr und mehr suspekt vor, zumal die Sachen die sie beschreiben soll, offensichtlich einer toten Frau gehört.


Im zweiten Kapitel lernt Iris über ihren Freund Stephen einen Fotografen kennen. Was die beiden Männer verbindet, kann sie nur ahnen, doch als sie dem Wunsch des Fotografen zustimmt, Fotos von ihr zu machen, öffnet sie die Büchse der Pandorra. Über das Foto, was sie furchtbar findet, entzweit sie sich von ihrem Freund und scheint dem Fotografen eine unglaubliche Macht über sie zu geben. Allerdings er eine Ausstellung macht und ihr Foto ein Kernstück wird, entwickelt sich die Sachlage noch dramatischer.


Im Dritten Kapitel liegt sie wegen unerklärbarer starker Kopfschmerzen im Krankenhaus. Sie hat 2 sehr merkwürdige Zimmernachbarinnen, wo sie nicht weiß, ob sie die Verrückte ist, oder die anderen. Gerade Frau O macht ihr das Leben zur Hölle, aber gerade als ihr Freund, bzw Ex-Freund Steven sie besuchen kommt, macht O was unglaubliches...


Im vierten Kapitel entwickelt sich zwischen ihr und ihrem Professor ein merkwürdiges Verhältnis, aber gleichzeitig werden die ersten drei Episoden mit dieser hier verknüpft.




Meine Meinung zu Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau:


Es gibt Männer Bücher und es gibt Frauen Bücher. Das hier ist definitiv letzteres, aber im absolut positiven Sinne. Ich gebe ehrlich zu die Aussichten auf erotischen Eskapaden was der Buchrücken verspricht mit eine Motivation war, das Buch zu lesen. Und jetzt das Verrückte: Obwohl das Buch im sinnlichen Sinne von Erotik kaum was zu bieten hat, ist die erfrischende und durchwegs hochunterhaltsame Lektüre eine klassisches Beispiel für ein Buch was man anfängt und erst dann wieder aus der Hand legt, wenn man durch ist.


Was sich als relativ banale Story anhört ist so feinfühlig, humorvoll, spanngungsgeladen geschrieben das man dieser bezaubernden Jungen Frau einfach nur endlos weiterzuhören könnte, wie sie aus ihrem Leben erzählt. Und obwohl es offensichtlich nicht einfach ist, oder sie es sich einfach nicht einfach macht, ist es doch wunderschön und man liest begeistert von diesem liebenswerten, schrulligen, sympathischen durch und durch faszinierenden intelligenten hübschen jungen Frau.


Bei der ersten Geschichte denkt man sich noch, hmh etwas schräg der Schriftsteller. Die Frau braucht das Geld, doch was will uns die Geschichte sagen? Bei der zweiten erkennt man das Muster: Die Geschichte selbst muß, soll und wird nicht verstanden. Ist aber so faszinierend geschrieben, das man sich schon fragt, wohin entwickelt sich die Story um das Foto. Tja dann die Episode im Krankenhaus wo man eigentlich nur mit Iris leidet, aber doch recht schnell genauso gespannt ist, was mit O passiert. Und tja das letzte und Viertel Kapitel bringt eine komplett neue Geschichte und doch verbindet sie das ganze Buch und besticht trotz einer klassischen Situation mit einer innovativen Auflösung.


OK man kann es also kurz machen: Kurzweilig, komisch, bewegend, spannend, verrückt, sinnlich, kurzum ein kleines Buch was leicht lesbar auf hohem Niveau unterhält und einen ein bißchen glücklicher macht.





Technische Details von Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau:


Getränkeliste: Kaffee 4x, Wein 2x, Tee 1x, Bier 1x, Brandy 4x, Cola 1x, Wasser 1x, Champagner 1x


Sex, Drugs & Rock'n Roll: Zigarette 4x, Sex 10x, Kuss 10x, Wangenkuss 3x, Halskuss 1x, Vergewaltigung 1x, Marlboro 1x, Kinnkuss 1x


Leichen: Frau 1x, Schildkröte 1x





Textprobe von Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau:


„Vielleicht ja“, dachte ich laut.


„Dann glaubst Du ja an Zensur“, sagte Stephen.


Ich sah Stephen an. Sein Gesicht war angespannt und verriet Streitlust. „Nicht an Zensur“, sagte ich langsam. „Das ist äußerlich. Ich meine Kontrolle“, sagte ich langsam. Schließlich können auch Bilder lügen, können eher Falsches als die Wahrheit vermitteln.“


„Also wirklich, Iris“, sagte Stephen. „Was bedeutet das die Wahrheit?“


Ich wandte mit an George, der mich von der Seite ansah. „Ich meine ganz einfach, daß man eine gewisse Verantwortung übernimmt, wenn man einen epileptischen Anfall fotografriert.“ Zu meinem Schrecken fühlte ich Tränen in meine Augen steigen und wandte das Gesicht ab, damit sie es nicht sahen.





Fazit zu Siri Hustvedt – Die unsichtbare Frau:


Ich wollte es nicht aus der Hand legen und war enttäuscht als es fertig war. Mit relativ wenig Inhalt doch hochwertig, kurzweilig unterhalten. Ein Buch was jeder Lesen kann, dem eine gut erzählte Geschichte lieber als platte Schauwerte sind.


98 von 100 möglichen Punkten

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