Joe R. Lansdale - Ein feiner dunkler Riss

Ein dreizehnjähiger Junge deckt mit Hilfe vieler Freunde einen Doppelmord auf, der vor 15 Jahren geschah. Tolle Geschichte, klasse Bösewichte, eine spannende Story und eine Auflösung die -positiv- überrascht. Grandios!

Aus meinem schier unerschöpflichen Bücherregal fiel mir die Tage „Ein feiner dunkler Riss“ von Joe R. Lansdale in die Hände. Von daher weiß ich gar nicht, wann und wie ich das Buch erhalten habe.



Zum Äußeren von Joe R. Lansdale – Ein feiner dunkler Riss:


Die Front eines alten Autos halb im Schatten, dazu Autor, Titel, Roman und Verlag Suhrkamp


Rückseite: „Packend, temporeich, und voll versteckter Gefahren.“ von The Times


An einem heißen texanischen Sommertag findet der dreizehnjährige Stanley ein im Waldboden vergrabenes Kästchen. Unterstützt von dem mürrischen schwarzen Ex-Polizisten Buster beginnt er, Detektiv zu spielen – und stößt auf einen zwanzig Jahre zurückliegenden mysteriösen Doppelmord. Jenseits der Welt seiner Superheldencomics muss sich Stan plötzlich einer bitterbösen Realität stellen.


„Die Leser des großen Joe R. Lansdale rechnen vom ersten Satz an mit dem Schlimmsten, und sie tun sehr gut daran.“ von KrimiZeit-Bestenliste


Preis 8,99 Euro, ISBN Nummer und Barcode




Innenleben von Joe R. Lansdale – Ein feiner dunkler Riss:


Eine weitere Zusammenfassung und dann was zum Autor: Joe R. Lansdale, 1951 in Texas geboren, gehört mit seinen Romanen und Erzählungsbänden zu den Stars der amerikanischen Kriminalliteratur. Er wurde mit zahlreichen Krimipreisen ausgezeichnet. Lansdale lebt mit Frau und Kindern in Texas, wo er auch mehrere Kampfsportschulen betreibt.


Original 2003 als A Fine Dark Line bei Mysterious Press, deutsche Fassung 2012 im Grokonda Verlag Berlin, Erste Auflage 2014 Suhrkamp, Copyright 2003 by Joe R. Lansdale


Gedenkeworte für seinen Hund, kurze Anmerkung über Inhalt und Fiktion des Buches, dann fängt es mit Teil 1 „Das Dew Drop Drive-In 1958“ auf Seite 7 an. Es endet auf Seite 351. Keine Werbung – schön.




Zum Buch Joe R. Lansdale – Ein feiner dunkler Riss:


Die Familie Mitchel lebt 1958 im kleinen amerikanischen Örtchen Dewmont. Der Vater Stanley senior wollte immer ein Kino und so hat er im Örtchen das Autokino für sich und seine Familie gekauft. Neben seiner Frau bewohnt er das Haus, was auch als Leinwand für das Autokino dient mit seinem 13jährigen Sohn Stanley junior und der 16jährigen Callie.


Als Stanley jr beim spielen eine alte Kiste mit Briefen findet verändert sich sein Leben komplett. In dem eh durch die Hormone veränderte Welt von Stan versucht er die Hintergründe des Briefwechsels zu ergründen – denn in dem Kästchen waren innige Briefe. Schnell findet er heraus, das die Briefe mit einem Doppelmord vor gut 15 Jahren zusammenhingen.


Die schwarze Haushaltsgehilfin Rosey und der schwarze Filmvorführer Buster werden seine Kumpel. Was zu der damaligen Rassentrennungszeit eher schwierig war. Gemeinsam mit seiner Schwester und seinem besten Freund kommt er dem Geheimnis von damals auf die Spur.


Doch mittlerweile tun sich weitere Nebenkriegsschauplätze auf. Auf der einen Seite der verrückte gewalttätige Mann von Rosy und der sadistische Vater seines besten Freundes.


Auf einmal muß Stan um sein Leben fürchten. Und dann steckt er selbst in Lebensgefahr. Auf einmal fließt Blut....!





Meine Meinung zu Joe R. Lansdale – Ein feiner dunkler Riss:


Das Buch wird aus der Sicht von Stanley junior geschrieben und soviel vorab: Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen was mich von der ersten Seite an so gefesselt hat.


Das Besondere daran: Das Buch fängt gar nicht wie ein Krimi an. Zuerst wird die Familie und das Umfeld vorgestellt. Und ich kann nur sagen aufgepaßt: Wichtige und wesentliche Hinweise auf den späteren Fall, der dann zeitlich 15 Jahre vorher angesiedelt wird, werden hier zwar gezielt gestreut, aber so unauffällig, das man wirklich bis zur Lösung nicht drauf kommt. Und genau diese Unvorhersehbarkeit, gepaart mit zunehmender Spannung, macht das Buch so süchtig.


Aber der Reihe nach. Das Buch wurde 2003 be- und geschrieben. Entsprechend bereitet uns der Autor nochmal auf die Zeit der Diskriminierung 1958 vor. Wo es noch nicht selbstverständlich war, das Schwarze und Weiße zusammenleben. Zur Lösung des Problems benötigt Stanley aber dringend die Hilfe der Schwarzen.


Kein Buch ohne Liebesgeschichte. Und das wird hier extrem geschickt über die Schwester abgewickelt, die auch ein bißchen im Mordfall mit ermittelt, aber auch nicht wirklich als Liebesgeschichte durchgeht. Wie ein guter alter Western.


Stanley kommt der Sache erst gegen Mitte des Buches näher, aber dann wird es blutig. Es wird brutal. Es gibt einen Toten. Doch die Ereignisse werden für Stanley immer rasanter. Aber irgendwie genießt er es auch.


Verschiedene Themen streift der Autor, aber er packt das rasant und spannend unter den großen Oberbegriff Krimi.


Wenn ein Buch aus der Sicht eines 13jährigen geschrieben wird, könnte das leicht ins kindliche abdriften. Glaubt mir, das tut es nicht. Weder altklug noch naseweiß, sondern ganz banal wird die Story nach vorne getrieben. Sehr angenehm ist auch das Wesen von Stanley junior, der offen für vieles und alles ist und durchaus gewillt ist hinzu zu lernen. Ebenfalls machen alle außer dem Vater sich nichts aus der Rassentrennung. Obwohl das Thema nur am Rande gestreift wird, kommt rüber wie unsinnig Vorurteile sind und dennoch, schreibt der Autor so, das man mit beiden Seiten der Einstellung mitfühlen kann. Wirklich großartig geschrieben.


Eines der wenigen Bücher, wo der reißerische Teasertext auf der Rückseite des Buches nicht übertreibt.





Technische Details von Joe R. Lansdale – Ein feiner dunkler Riss:


Getränkeliste: Wasser 2x, Eistee 3x, RC-Cola mit Whiskey 2x, Limonade 4x, Whiskey 4x, Milch 2x, Kirschcola 1x, Kaffee 5x, Kakao 3x, Tee 1x, Schwarzgebrautes 1x, Cola 3x, RC-Cola 1x


Sex, Drugs & Rock'n Roll: Masturbation 1x, Sex 2x, Zigarette 4, Wangenkuss 1x


Leichen: Flusskrebse ca 30, Baby 1x, Gürteltier 1x, Frosch 1x, Bleichkrähe 1x, Hund 3x, Mann 15x, Frau 8x




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**Da die Briefe nur mit einem Buchstaben unterschrieben waren und sich nur an einen Empfänger mit einem Buchstaben richteten wird nie zu 100% geklärt, wer der Empfänger war. Es wird aber recht offensichtlich das es eine unglückliche lesbische Liebe war. Eine davon war offensichtlich aufgrund Inzuchts der mächtigen Männer der Stadt schwanger. Offensichtlich wurde das poppen mit der eigenen Schwester bei den Schweinepriestern vom Vater zum Sohne weitervererbt. Dazu kommt dann der religiös wahnsinnige Vater des besten Freundes von Stanley der als Massenmörder im Namen des Herrn den Garten mit Leichen befüllt. Der war wohl auch scharf auf eine der beiden. So das der eine Mord von unserem religös verblendeten Massenmörder verübt wurde und der andere das inzestuöse Ergebnis vertuschen sollte. Fallabschließend wird der Fall nicht aufgeklärt, aber die Hinweise die Stanley junior mit Hilfe von Buster nachgeht, weisen darauf hin. Das der Verrückte vom eigenen Sohn den Kopf abgesenst bekommt tut noch ein übriges hinzu. Zu allen Vorkommnissen wurden Hinweise im Roman geliefert, aber ich kann mir nicht vorstellen, das dies einer so vorher gesehen hätte.***********

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Leseprobe von Joe R. Lansdale – Ein feiner dunkler Riss:


„Das alles muss er erledigen, dann das Feuer legen und aus dem Haus kommen, ohne dass ihm jemand sieht. Lass dir das mal gründlich durch den Kopf gehen.“


Ich überlegte kurz, dann sagte ich: „Vielleicht hat er sie gefesselt und geknebelt, ist losgelaufen und hat Margret umgebracht, und dann ist er zurückgekommen und hat das Feuer gelegt.“


„Viel zu viel Aufwand.“


„Davon krieg ich Kopfweh“, sagte ich.


„Wem sagst du das“, murmelte Buster. „Ich habe auch einen ganz schönen Brummschädel.“





Fazit zu Joe R. Lansdale – Ein feiner dunkler Riss:


Also das ist extrem vielversprechend. Viele Themen, spannende Handlung, bis faktisch zur letzten Seite weiß man nicht was wirklich geschah und dann ist die Erzählweise frisch. Ein sympathischer Akteur, einige fiese Bösewichte, mysteriöse Fremde, tiefencharakterliche Freunde und eine Erzählweise die eine alte Zeit neu beschreibt. Grandios. Eine klare Empfehlung für Krimifreunde und Freunde guter Geschichten.


99 von 100 möglichen Punkte und eine uneingeschränkte Lese Empfehlung (für alle die älter als 14 Jahre sind)

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