Arrebato (DVD)

Kunstkino wie man sich das vorstellt. Der Voyeur in uns bekommt (errigierte) Penise und Brüste zu sehen. Der Horrorfilmfan in uns gruselst womöglich bei der Handlung. Aber der Arthouse Kinogänger der wird sich daran laben wie der Regisseur seine eigenen Obsessionen auf die Leinwand gebannt hat und gegen Ende wirklich jeden Mainstream Filmseher durch den zunehmenden Surrealismus von der Mattscheibe wegekelt. Sicherlich ein mutiger Film, auf jeden Fall ein konsequenter, aber wirklich nur was für Experimentelle und Arthouse Fans.

Einer Empfehlung nach (ich meine fast der Cinema Bizarr Fritze oder halt sonst Amazon) folgend habe ich mir Arrebato zugelegt, den ich hier vorstelle.

 


Zum Äußeren von Arrebato (DVD):


Vorne drauf ist eine abgeranzte Betty Boo Figur (die sich im Film Ana vollgekokst ansieht während Jose mit Pedro vögelt). Rückseite: „Rohes, verstörendes, schmerzvolles und großes Kino“ von El Pais


Was für ein beschissener Tag! Als Jose unzufrieden und völlig genervt von der Arbeit an seinem billigen Horrorfilmchen nach Hause kommt, erwartet ihn dort auch noch seine weggetretene Ex-Freundin-Ana – und ein mysteriöses Päckchen von Pedro, einem alten Bekannten, der die Welt scheinbar nur durch den Sucher seiner Kamera wahrnimmt. Der Inhalt: eine Super 8 Filmrolle, ein Tonband und ein Wohnungsschlüssel. Als Jose gelangweilt das Tonband anwirft, holt ihn zunächst die Erinnerung an seinen seltsamen Freund wieder ein. Nach und nach realisiert er aber welch unfassbare Geschichte ihm Pedro da gerade erzählt. Ungläubig fällt sein Blick auf Filmrolle und Schlüssel…


Dann 6 Szenenfotos (Pedro in Fassel Action, Jose der in Klamotten in der Wanne liegt, die nackte Ana, ein Löffel Koks, eine schlafende nackte Ana, die Super 8 Kamera)


Am 30.Dezember 2009 starb überraschend ein legendärer Akteur des spanischen Kulturbetriebes im Alter von nur 66 Jahren: Ausnahmeregisseur Ivan Zulueta: Sucht, künstlerisches Schaffen bis zur Selbstaufgabe und das schwarze Loch zwischen Bild und Realität – das sind Dämonen, die Zulueta heimsuchten. In seiner einzigartigen Seelenschau Arrebato erzählt der Regisseur offen von den Obsessionen die ihn sein Leben lang nicht losließen. Als echtes Juwel des europäischen Underground-Films wandelt Arrebato auf dem schmalen Grat zwischen Horrorfilm, experimentellen Kino und Arthouse. Viele sehen darin gar einen Vorläufer zu David Cronenbergs Videorome. Sein Einfluss auf den großen spanischen Filmemacher Pedro Almodovar bleibt dagegen unbestritten.

Auch nach 30 Jahrne hat Arrebato nichts von seiner erschütternden Kraft verloren.“ Pedro Almodovar für El Pais

 

 


DVD Angaben und Inhalt von Arrebato (DVD):


Nur CD kein Booklet


Bildformat 1:1,85 (16:9 Anamorph), Tonspur Spanisch DD 2.0 Mono, Untertitel : Deutsch, Länge 110 Minuten


Neben dem spanischen Film mit deutschen Untertitel gibt es noch

Kapitel: 8 Stück zur Auswahl


Filmauswahl: Auch englische Sprache möglich

Bildstörung: Der Verleiher hat noch weitere 6 verstörende Teaser anderer Filme mit auf die DVD gepackt


Das war es…

 

 



 

 

Zum Film Arrebato (DVD):


Ein junger Mann stellt nervös ein Päckchen zusammen. (Der Film ist auf spanisch mit deutschen Untertiteln). Im Päckchen ist ein Stück Film, das er jemand zukommen läßt, für den Fall das ihm was passiert was er glaubt.


Nach dem Vorspann befinden wir uns in einem Schneideraum wo zwei andere junge Männer einen Amateurfilm zusammenbasteln. Der eine glaubt, das der andere den billig aussehenden Film komplett verhunzen wird. Aber Jose der Regisseur geht seinen Weg, den er glaubt das das Kino ihn liebt.


Zu Hause stellt Jose überrascht fest, das Ana offensichtlich zurück ist. Zumindest hat der Nachbar das gesagt, im Fahrstuhl überlegt er sich die Szene wie er Ana rauswerfen wird. Doch sie schläft tief und fest. Unruhig in der Wohnung öffnet er das Päckchen das der Nachbar ihm gab, darin die Sachen des Jungen von Beginn des Films.


Er setzt sich erst mal einen Schuß, dann treibt er es mit Ana und dann hört sich Jose das Band von Pedro an. Darin erzählt Pedro wie er Jose kennengelernt hat. Im Haus seiner Tante, die ganze Geschichte seines Seins von Anfang an…


Es ist die Geschichte von Pedro, seiner Beziehung zu Jose, und natürlich seine Leidenschaft dem Filmen. Eine Obsession die unheilig wird.


Während das Band läuft und sich Jose Pedros letzten Film ansieht nimmt er reichlich Drogen mit Ana, streitet sich mit Ana, poppt mit Ana und verfällt Pedros Wahnsinn…

 


 

Meine Meinung zu Arrebato (DVD):


OK das ist Kunstkino wie es sich gehört. Grobkörnige Bilder, eine Handlung die zwischen Experimentalfilm und Dramulett schwankt und gegen Ende immer mehr ins Surreale verfällt und ohne das Ende zu verraten: Exakt in die Dimensionen gleitet in die er immer zeigt.


Ein Film der unterhält muß für mich keine Hintergründe klären und genau das macht Arrebato auch vollständig. Warum Pedro so ein Filmjunkie ist, was die Anziehungskraft (außer der sexuellen) zwischen Pedro und Jose ist (Pedro spürt das Jose als Filmemacher auch Filme haßt und zynisch ist, lasse ich als Erklärung mal nicht gelten).


Dieser Film wurde im Untergrund bejubelt? Der Film zeigt quasi das obsessive Ich des Regisseurs. Quasi eine Moccumentary auf sich selbst?


Von mir aus. Mir Hupe. Das ist so ein typischer Arte oder Eins Festival Sinn. Wie heißt es so schön auf der Hülle? „Auch nach 30 Jahren hat Arrebato nichts von seiner erschütternden Kraft verloren.“ Aha. Also erschütternd fand ich Uhrwerk Orange oder Full Metal Jacket. Die Sexszenen wurden mittlerweile mit Intimacy und Nymphomanic auch in andere Sphären geschleudert. Zum Thema Surrealismus hat Bunuel glaube ich 1930 schon einen Meilenstein gelegt, also bitte schön, was ist an Arrebato so faszinierend?


Aber ich will ihn gar nicht schlecht machen. Alleine die Inszenierung in vor Dogma Zeiten war sicherlich richtungsweisend. Auch die Instrumentalisierung extrem gelungen. Nur sehr punktuell, aber dann auch dominant, was aber zum Szenenbild paßt. Ein wirrer Hauptdarsteller von Pedro dem man den körperlichen und seelischen Verfall glaubt und mit ihm leidet. Jose und Ana als On/Off Paar mit mehr als nur der gemeinsamen Liebe zum Koks. Und dem Feminismus sei Dank nicht nur nackte Brüste sondern auch (erregte) Penise. Ein klein wenig Gewalt dazu und schon haben wir so einiges, was schockieren könnte, wenn man sich darüber aufregen wollte.


Abgesehen davon kann man dem Film nicht vorwerfen straight zu sein. Obwohl der manchmal in der Zeit springt, kann man zum einem gut am Ball bleiben und auf der anderen Seite, verfolgt er sein Ziel in eine überbordende surreale Welt zu schwenken konsequent. Das ist mutig. Und somit auch was für die Zielgruppe Arte, Eins Festifal und Ökoschikimicki Kino Seher.

Der Mainstream Seher wird mit dem Werk allerdings wenig anfangen können.

 




Technische Details von Arrebato (DVD):


Spanien 1980, Experimentalfilm, Arthouse Film


Erstveröffentlichung 9.6.1980


Laufzeit 105 Minuten, Sprache : Spanisch


Regie: Ivan Zulueta (der auch die Musik mit beisteuerte)


Darsteller:


Eusebio Poncela *15.9.47 Madrid war u.a. 1987 in einem Pedro Almodovar Film

Cecilia Roth 08.08.56 Argentinien war in diversen Filmen u.a. von Pedro Almodovar

Will More, Marta Fernandez Muro, Carmen Giralt, Helena Fernan-Gomez

 

 


Fazit zu Arrebato (DVD):


Art House ist halt Art House. Muß man mögen. Dem Voyeur in mir gab es zu wenig Fleisch, dem experimentellen in mir war es dann nicht freaky genug und der Cineast in mir, hat aufgrund dieser Filmobsession Angst bekommen. Kurz : Für mich war das nichts, aber ich kann nachvollziehen, warum das Ding im Untergrund Kultstatus genießt.


Arthouse Fans: 90 von 100 möglichen Punkten

Casual Kinogänger: 15 von 100 möglichen Punkten

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