John Le Carrè – Geheime Melodie

Altmodischer Spionagethriller, toll geschriebern, aber extrem vorhersehbar

Ein weiteres Buch aus der Tauschtelefonbörse heißt Geheime Melodie und ist vom bekannten Autoren John Le Carrè.




Zum Äußeren von John Le Carrè – Geheime Melodie:


Auf dem Hardcoverbuch sehen wir obere Spitze eines Zebrakopfes, dazu Autor, Titel, Roman


Rückseite: Auch die Rübe des Zebras




Zum Innenleben von John Le Carrè – Geheime Melodie:


Der Dolmetscher Bruno Salvador erhält einen Auftrag vom britischen Geheimdienst. Für zwei Tage wird er an einen geheimen Ort gebracht. Er dolmetscht eine inoffizielle Konferenz, an der auch afrikanische Politiker teilnehmen. Auf dem Spiel steht die Zukunft des Kongo. Die krisengeschüttelte und an Rohstoffen reiche Region ist Brunos Heimat. Bahnt sich in dem fernen Land eine Katastrophe an? Gemeinsam mit seiner jungen Geliebten Hannah sucht Bruno Verbündete, die mit ihm für eine demokratische Zukunft des Kongo streiten. Doch plötzlich werden Hannah und er zu Gejagten, denn in Brunos Besitz befinden sich wertvolle Dokumente....


Dann was zum Autor: John Le Carre geboren 1941 in Poole, Dorset, studierte in Bern und Oxford Germanistik, bevor er in diplomatischen Diensten u.a. in Bonn und Hamburg tätig war. Sein Roman Der Spion der aus der Kälte kam begründete seinen Weltruhm als Bestsellerautor. John Le Carre lebt mit seiner Frau in Cornwall und London.


Das Original erschien 2006 als „The Mission Song“ bei Holder London, Copyright 2006 by David Cornwell


Im Vorwort ein Zitat aus Herz der Finsternis von Joseph Conrad, der Roman beginnt dann mit Kapitel 1 auf Seite 7 und endet auf Seite 414. Es folgt eine Karte von Afrika mit einer Vergrößerung des Ostkongo und eine Danksagung





Zum Roman John Le Carrè – Geheime Melodie:


Bruno stellt sich selbst vor: Er ist Dolmetscher, aufgewachsen in Afrika als Kind eines Priesters, also dürfte es ihn gar nicht geben. Doch er hat das Beste aus seinen Genen gemacht: Er spricht diverse Sprache fließend und da er Talent und Interesse hatte, hat er das Vagabundendasein seiner Jugend genutzt und sehr viele afrikanische Sprachen und Unterarten der Sprachen gelernt und kann diese simultan übersetzen.


Er ist mit einer tollen sexy erfolgreichen Journalisten verheiratet und eine Granate im Bett. Kurz sein Leben ist perfekt.


Doch an diesem Wochenende soll sein Leben eine abrupte Kehrwendung machen: Schon seit längerem arbeitet er für die britische Geheimabwehr. Bislang immer passiv im Dolmetschen. Dieses mal soll er zum ersten mal unter Decknamen auf einen „Fronteinsatz“. Ohne sein Ziel zu wissen, wird er sprichwörtlich aus seiner zweiten Veränderung gerissen: Erst am selben Abend hat er bei einem Krankenhauseinsatz sich unsterblich in Hannah verliebt. Nicht nur am Bett eines Patienten haben sie sich gut verstanden, sondern auch die Nacht gemeinsam die Geschlechtsteile glühen lassen, so das er sprichwörtlich aus dieser Lage vom Geheimdienst geholt wurde.


Doch sein erster Praxiseinsatz stellt ihn auf eine harte Probe: Offiziell ist er nur Dolmescher einer inoffiziellen Konferenz. Inoffiziell soll er aber für den britischen Geheimdienst die Teilnehmer in den Pausen belauschen und für die Auftraggeber übersetzen.


In der Konferenz sind 2 Warlords aus dem Kongo sowie eines dritten mächtigen im Ostkongo. Gemeinsam wollen bzw sollen sie einen Gemäßigten helfen an die Macht zu kommen. Dies soll über einen ablenkenden Putsch funktionieren und wenn alle 3 Machtparteien mitspielen, bekommen sie anschließend einen gewissen Anteil an den Erträgen aus der Region. Die Initiatoren der Versammlung haben ein halbes Jahr lang Zeit die Region auszubeuten und somit ihre Aktivität zu entlohnen.


Bruno kommt mehr in Gewissensbisse, als er merkt, das sein geliebtes Heimatland durch diese Verschwörung anstatt einer Erlösung nur noch nachhaltiger ausgebeutet wird.


Zurück in London beginnt er dann eine unsägliche Fehlerkette in Gang zu setzen die sein und das Leben Hannahs nachhaltig verändern soll....





Meine Meinung zu John Le Carrè – Geheime Melodie:


Da bin ich schnell fertig: John Le Carre kann natürlich wunderbar schreiben. Eine einfach aber doch unterhaltsame Sprache. Bruno kommt schön spitzbübisch rüber und das ganze wirkt sehr lebendig.


Dann ist das ganze eine gute alte Spionage Geschichte. So richtig mit Maulwurf, Überwachung, ganz klassisch und den dicken Bossen im Hintergrund.


Aber die Story?


Also mal der Reihe nach: Direkt zu Beginn lernt er Hannah kennen. Obwohl beide schon den ganzen Tag auf sind, sich vorher nicht kannten, poppen sie bis zur Besinnungslosigkeit die ganze Nacht durch. Später erfahren wir aber noch, das die wohl gerade in den Pause als die Geschlechtsteile noch wund waren genügend Zeit haben um ihre -ach Überraschung- gemeinsame Heimat Kongo sich unterhalten. Fassen wir zusammen: Kennen sich nicht, trotz völliger Erschöpfung wird die ganze Nacht gepoppt, die Pausen werden mit politischen Diskussionen gefüllt. Ja ne ist klar.


Dann die geheime Konferenz die rund 2/3 des ganzen Buches ausmachen. Eher mehr. Das unser Obergutmensch natürlich auch nur ein weiterer Schachspieler mit Machtgelüsten ist, wird für den Spionage und Afrikakenner keine Spoiler Überraschung sein. Bei der gesamten Aktion wird kein Klischee ausgelassen, weder über die Söldner, noch die Vermittler, die Männer im Hintergrund, die Warlords bis zur unvermeidlichen Foltereinlage.


Aber bis dahin mag man das ja alles noch gelten lassen. Aber zurück in England mutiert unser schlaues multilinguales Popp- und Sprachgenie zum Volldepp. Jeder der schon mal einen Groschenroman hat, weiß was man nicht machen sollte, wenn man brisante Geheimdienstinformationen hat, bis auf unseren guten Bruno.


Leider darf ich ja das „Ende“ nicht verraten, nur machen wir es mal anders rum: Man stelle sich ein Klischee eines jeglichen Spionage Film oder Buches vor, man stelle sich vor, wie man sich maximal doof anstellen kann und dann dürfte man so ungefähr zu 100% wissen, wie das Buch hier in den letzten Seiten aussieht.


Sehr sehr enttäuschend.




Technische Details von John Le Carrè – Geheime Melodie:


Getränkeliste: Weißwein 1x, Chianti 1x, Preiselbeersaft mit Sprudel 1x, Rioja 4x, Kaffee 2x, frisch gepresster Orangensaft 1x, Wasser 1x, Verdünnter Scotch 1x, Champagner 1x, Malvern Water 1x, roter Hauswein 2x, Bier 1x, Saft 1x, Tee 1x, Tomatensaft 1x


Sex, Drugs & Rock'n Roll: Vergewaltigung 4x, Folter 4x, Homo-Sex 3x, Zigarette 4x, Sex 10x, Kuss 2x, Schäfenkuss 1x, Augenlidkuss 1x, Massenvergewaltigung x mal, Zigarre 1x, Wangenkuss 1x


Leichen: Massenmorde x mal, Mann 18x, Frau 14x




Leseprobe von John Le Carrè – Geheime Melodie:


Ich nahm den Kopfhörer erneut ab, vergrub das Gesicht in den Händen und flüsterte in das Dunkel. Was ich flüsterte, weiß ich nicht mehr. Ganz gewiß fühlte ich mich da noch nicht als Verräter. Einräumen will ich allenfalls ein Mißbehagen, das zu ergründen ich keinerlei Ehrgeiz hatte. Ich war erledigt nach meinem Zweikampf mit Haj, ausgepumpt und unbefriedigt, und da die Spannung nachließ.




Fazit zu John Le Carrè – Geheime Melodie:


Toll geschrieben reicht bei einer leider komplett vorhersehbaren Spionagegeschichte nicht. Was wie ein wichtiges Statement zur Lage in Afrika beginnt, endet als reichlich banalen Abgesang auf die Ehre eines Dolmetschers. Schön geschrieben, aber viel zu zahn- und mutlos.


Macht insgesamt 44 von 100 möglichen Punkten

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