Sinclair Lewis - Babbitt

Der Amerikaner an und für sich ist schon ein posierliches Tierchen. Hoch von sich selbst überzeugt, dabei doch so leicht zu durchschauen wie Bodensee-Kaffee. Sinclair Lewis schreibt flocker lockig leicht über eine altmodische Zeit, was aber auch heute noch wunderbar unterhält und dabei so passend ist, das man Lewis schon Hellseher nennen möchte.

Sinclair Lewis - Babbitt
Sinclair Lewis - Babbitt
Sinclair Lewis - Babbitt
Sinclair Lewis - Babbitt

Ein weiteres Buch aus dem Fundus meiner Gattin stelle  ich heute vor: Babbitt von Sinclair Lewis.


Zum Äußeren von Sinclair Lewis - Babbitt

Schlicht gehalten: Rowohlt Jahrhundert, Autor, Titel, Rororo Band 27 und eine extrem zusammenfassende Aussage von Kurt Tucholsky: „Babbit zeigt einen Spiesser, Selbstgefällig, ignorant, fortschrittsgläubig, in der Enge der Provinz. Da geschieht es: Paul, sein bester Freund, erschießt Zilla. Ein hinreißendes Buch und, so ganz nebenbei: Amerika. Das Buch riecht nach Wahrheit.“

Rückseite: Schwarzweiß Foto de Autoren und: Sinclair Lewis (1885-1951) studierte 1903/07 an der Yale University, 1907 nahm er am Kanalbau nach Panama als Reporter teil. 1930 Nobelpeis für Literatur. Weitere Werke u.a. 1919:Benzinstation, 1927 Elmer Gantry, DM 19,80



Zum Innenleben von Sinclair Lewis - Babbitt

Ein 2seitiges Vorwort, Copyrgiht 1922 by Harcourt Brace, 1950 by Sinclair Lewis, 1988 Rohwohlt Verlag

Ein vielaussagendes Vorwort, dann beginnt der Roman mit dem Ersten Kapitel und Unterkapitel I auf Seite 9. Es endet auf Seite 518 und es folgt noch eine Seite Anmerkungen, wo wichtige Begriffe erläutert werden.



Zum Roman Sinclair Lewis - Babbitt

Wir lernen George F.Babbit kennen. Ein Selfmade Man, der es in seiner Heimatgemeinde zu einem erfolgreichen Immobilienagenten geschafft hat. Ein Eigenheim, 3 Kinder, ein treuvorsorgende Ehefrau und einige Angestellte sind neben seinem Auto (eines der wenigen) sein ganzer Stolz.

Zenith so heißt diese fiktive Ort ist der ganze Lebensinhalt von Babbit. Hier ist er wer. Allerdings werden wir nach und nach erfahren, das er zwar glaubt ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, in der Wirklichkeit folgt er aber stur und völlig abwegs des Begriffs von Liberal, den Vorgaben den die damalige konservative Zeit bedeutet.

Seine größten Freiheiten nimmt er sich beim umgehen des Prohibitionsgesetztes heraus. In der Familie fühlt er sich wenig geschmeichelt. Er hat eine Frau geheiratet die er weder besonders liebt, noch attraktiv und anziehend findet. Selbsterklärend das unser Babbit ebenfalls rundlich und verlebt aussieht.

Sein so eintöniges Leben hellt sich kurz auf, als er mit seinem besten Freund Paul alleine eine Reise unternimmt und er an den Träumen seines Freundes teilnimmt. Als jedoch Paul eher aus Versehen seine Frau Zilla fast erschießt und ins Gefängnis muß, kommen auf Babbit einige neue Eindrücke, die er nicht gut verdaut.

Schlußendlich nutzt er auch die Abwesenheit seiner Frau, um einer anderen Frau und dem Lebensgefühl der Jugend kurzzeitig zu folgen. Babbit denkt er wäre anders geworden, aber sein unmöglicher Versuch liberal zu sein, bringt ihn in die größten Schwierigkeiten seines Lebens.



Meine Meinung zu Sinclair Lewis - Babbitt

Vom Inhalt her, ist die Geschichte weder besonders neu, noch besonders originell. Wenn man aber bedenkt zu welcher Zeit das geschrieben wurde, kann man sich den Skandal zu der damaligen Zeit mehr als gut vorstellen.

Das wirkt zwar heutiger weniger unaufgeregt, wenn man mal seine Mit-Amerikaner mal so richtig durch den Kakao zieht. Aber damals wie heute ist es relativ einfach: Einfach mal den Spiegel vorhalten.

Babbit denkt er wäre lieb, nett, großzügig und erfolgreich. Im Endeffekt ist und bleibt er ein Gefangener seiner Konventionen. Seine zaghaften Versuche auszubrechen sind ja sowas von zum scheitern verurteilt, das man einen Wimpernschlag lang Mitleid mit dem dicken arroganten eingebildeten Fettsack haben könnte. Aber eben nur fast.

Man muß kein Sozi sein, um zu erkenne, das materieller Reichtum alleine keine Basis für Glück und Zufriedenheit ist.

Aber lassen wir das mal außen vor. Wie ein anderes Werk von Lewis hat mich sich sein Schreibstil bewegt. Unaufgeregt, aber sehr pointiert. Beschreibend, aber niemals uferlos. Sozialkritisch, aber ohne Dampfhammer Methode. Eine leichte lockere Sprache, die einem das Lesen vereinfacht und wie einen guten Groschenroman in Windeseile mit viel Genuß durchlesen läßt. Läßt man sich allerdings auf die Feinheiten der Sprache, den hintergründigen und offensichtlichen Anspielungen ein, hat man hier weitaus mehr, als einen schnöden Familienroman.

Lewis beschreibt recht deutlich wie sich Amerika im allgemeinen und die Amerikaner, zumindest die „reichen erfolgreichen“ selber sehen. Um dann gnadenlos in der Figur des Babbit mit ihnen abzurechnen. Schlichten Gemüter wird das vermutlich gar nicht auffallen, wie herrlich er Babbit immer wieder vorführt. Effektvoll und einfach die ganzen Beschreibungen wie Babbit das rauchen aufgeben will um meistens im selben Satz, sein eigenes Vorhaben wieder konterkariert.

Brillant geschrieben, flott inszeniert und auf den Punkt gebracht. Extrem leichte und doch ungemein unterhaltsame Geschichte, aus einer Zeit, die man sonst nur aus den Schwarz Weiß Filmen kennt.

Die Probleme sind aber zeitlos geblieben und das so zu zeigen, das man auch noch amüsant unterhalten wird, ist nicht nur großartig geschrieben, sondern auch noch großartig visinär gedacht. Respekt!



Technische Details von Sinclair Lewis - Babbitt

Getränkeliste: Champagner 1x, Bier 2x, Kaffee 4x, Cocktail 6x, Kaffee mit Sahne 1x, Whiskey 10x, Sodawasser-Limonade 1x, Tee 2x, Wasser 1x

Sex, Drugs & Rock'n Roll: Zigarre 22x, Kuss 10x, Zigarette 13x, Pfeife 1x, Ohrkuss 1x, Handkuss 1x

Leichen: Frau 2x, Mann 2x



Textauszug von Sinclair Lewis - Babbitt

Sie starrte ihn an, und alle Freude des verrauschten Festes war aus ihrem Antlitz entwischen. „Bin ich dir im Wege, wenn wir zusammen in Ferien gehen? Trage ich denn gar nichts zu deiner frohen Laune bei?“

Er war gebrochen. Plötzlich, furchtbar plötzlich, wurde er hysterisch, wurde ein heulendes Baby. „Ja, ja, ja! Zum Teufel, ja! Aber kannst du denn nicht begreifen, daß ich kaputt, total hin bin? Ich kann's nicht mehr aushalten! Muß mich schonen und pflegen! Ich sag dir, ich muß unbedingt – alles und jeder wächst mir zum Hals heraus! Ich muß unbedingt-“



Fazit zu Sinclair Lewis - Babbitt

Ein altmodisches Buch aus einer anderen Zeit. Aber extrem reizend. Sprachlich herausragend. Und wer sich ein bißchen für Amerika interessiert, wird höchst amüsiert lesen, wie Babbitt den Ur-Amerikaner gibt, aber im Endeffekt vom Autor wie ein Stier am Ring durch die Nase durch die Manege geführt wird. Großartiges Buch, in einem Stil, den heute leider keiner mehr schreibt, oder kann....

94 von 100 möglichen Punkten

Kommentar schreiben

Kommentare: 11
  • #1

    Fallon Alcina (Mittwoch, 01 Februar 2017 01:56)


    Hi, i think that i saw you visited my website thus i came to �return the favor�.I am attempting to find things to improve my web site!I suppose its ok to use some of your ideas!!

  • #2

    Woodrow Kriner (Mittwoch, 01 Februar 2017 09:12)


    Hey there! This post could not be written any better! Reading through this post reminds me of my previous room mate! He always kept talking about this. I will forward this post to him. Fairly certain he will have a good read. Thanks for sharing!

  • #3

    Clorinda Carberry (Mittwoch, 01 Februar 2017 18:22)


    Hi! Do you know if they make any plugins to assist with SEO? I'm trying to get my blog to rank for some targeted keywords but I'm not seeing very good results. If you know of any please share. Kudos!

  • #4

    Palmira Godwin (Samstag, 04 Februar 2017 12:07)


    Nice post. I learn something new and challenging on websites I stumbleupon everyday. It's always useful to read through content from other authors and practice something from their sites.

  • #5

    Taneka Bissonette (Samstag, 04 Februar 2017 19:16)


    Aw, this was an incredibly nice post. Spending some time and actual effort to make a top notch article� but what can I say� I procrastinate a lot and don't seem to get nearly anything done.

  • #6

    Efren Watwood (Montag, 06 Februar 2017 20:23)


    Link exchange is nothing else except it is simply placing the other person's blog link on your page at suitable place and other person will also do same in support of you.

  • #7

    Johana Chester (Montag, 06 Februar 2017 21:26)


    Great blog! Do you have any tips and hints for aspiring writers? I'm planning to start my own blog soon but I'm a little lost on everything. Would you advise starting with a free platform like Wordpress or go for a paid option? There are so many options out there that I'm completely confused .. Any recommendations? Kudos!

  • #8

    Nicole Serafini (Mittwoch, 08 Februar 2017 22:46)


    It's genuinely very complex in this active life to listen news on Television, therefore I simply use internet for that reason, and take the most recent information.

  • #9

    Wilber Ruhland (Donnerstag, 09 Februar 2017 14:26)


    This website was... how do I say it? Relevant!! Finally I've found something that helped me. Thanks!

  • #10

    Johana Chester (Donnerstag, 09 Februar 2017 14:40)


    The other day, while I was at work, my cousin stole my apple ipad and tested to see if it can survive a 25 foot drop, just so she can be a youtube sensation. My iPad is now destroyed and she has 83 views. I know this is totally off topic but I had to share it with someone!

  • #11

    Milagros Stokely (Donnerstag, 09 Februar 2017 21:08)


    My partner and I stumbled over here from a different web page and thought I should check things out. I like what I see so now i'm following you. Look forward to exploring your web page again.