Henning Mankell – Mittsommermord

Wallander trinkt und pinkelt - nebenbei wird noch ermittelt. Brutale Morde im kühlen Schweden ist nichts neues. Solide Unterhaltung, aber echte Krimifans werden recht früh die Finten von den zu frühen Auflösungen unterscheiden können.

Henning Mankell - Mittsommermord
Henning Mankell - Mittsommermord
Henning Mankell - Mittsommermord
Henning Mankell - Mittsommermord

 

 

Ein weiteres Buch aus der Tausch Telefonbörse dreht sich um den bekannten Kommissar Wallander und ist folglich von Henning Mankell. Das dicke Hardcover Buch nennt sich Mittsommermord.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Buch Henning Mankell – Mittsommermord:

 

 

 

Innen: Originalausgabe erschien 1997 unter dem Titel Steget efter im Ordfront Verlag Stockholm, Copyright 1997 by Henning Mankell, Copyright Paul Zsolnay Verlag Wien 2000

 

 

 

Eine Widmung, ein Auszug aus Giuseppe Verdis Rigoletto, dann ein Prolog, Teil 1 des Buches beginnt auf Seite 20, Teil 2 circa in der Mitte und das Buch endet nach einem Epilog auf Seite 603. Es folgen noch 2 belanglose Seiten Werbung zu weiteren Wallander Büchern.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Roman Henning Mankell – Mittsommermord:

 

 

 

Im Prolog erfahren wir die Planungen von ein paar Jugendlichen wie sie auf ihre spezielle Weise das Mittsommerfest feiern wollen. Was sie nicht wissen: Ihre Planungen sind einem skrupellosen Mörder bekannt. Da der Mörder ganz genau weiß, wann, wo und wie sie feiern, hat er ihren Tod minutiös geplant und setzt diesen tief in der Nacht in die Tat um. Einzig das eine der Vieren plötzlich krank wurde, hat sein Plan ein wenig modifiziert.

 

 

 

Im Roman selbst wird dann die tägliche Arbeit der Polizei geschrieben. Wallander trinkt und pinkelt – ein Leitthema des Buches. Die Jugendlichen gelten nur als vermißt und das sie von allen Orten Europas Postkarten nach Hause schreiben nährt die Hoffnung das nichts passiert ist. Einzig eine Mutter ahnt bzw glaubt nicht das die Postkarten echt sind, sondern das etwas passiert sein muß.

 

 

 

Auffallend ist jedoch das der sonst so zuverlässige Kollege Svebderg noch nicht erschienen ist und sich weder krank gemeldet hat, noch an das Telefon geht. Erst als Wallander spät abends einer Intuition folgend zu Svedberg geht findet er diesen tot in seiner Wohnung erschossen.

 

 

 

Frontal mit einem Schrotgewehr ins Gesicht geschossen und die Wohnung durchwühlt. Die Truppe ist geschockt.

 

 

 

Nach und nach muß sich Wallander auf die Spur der Vergangenheit von Svedberg machen und findet heraus, das er privat in der Angelegenheit der verschwundenen Jugendlichen geforscht hat. Und offensichtlich hat er ein Geheimnis: Er hat sich in Abwesenheit seines Bruders in dessen Haus mit einer Frau namens Louisa eine schöne Zeit gemacht. Doch gibt es einen Zusammenhang?

 

 

 

Der Mörder scheint der Polizei immer eine Spur voraus zu sein. Erst als die nächste Jugendliche stirbt und scheinbar wahllos eine frisch vermähltes Paar beim Hochzeitsfoto Shooting kommt der mittlerweile vollkommen übermüdete Wallender dem Mörder immer ein Stückchen näher. Doch nicht nur seine aufkeimende Diabetis Krankheit wirft ihn immer mehr zurück, auch die Tatsache das der Mörder nur das verrät was er verraten will und die schwierige Zusammenarbeit mit dem neuen Staatsanwalt.

 

 

 

 

 

 

 

Meine Meinung zu Henning Mankell – Mittsommermord:

 

 

 

Jo Nesbo, Jussi Adler Olson und wie sie alle heißen. Ich mag diese skandinavischen Schriftsteller. Meistens sehr spannend, meistens sehr blutig. Entsprechend gespannt war ich auf „meinen“ ersten Wallander und entsprechend hoch die Erwartungen.

 

 

 

Tja und dann so was. Blutig und düster geht es los, wobei gerade der düstere Grundton dominiert. Es wird gemordet, gehofft, verzweifelt, wenig geschlafen, viel Kaffee und Wasser getrunken und ausgiebig gepinkelt und die Zeit dazwischen mit Ermitteln gefüllt.

 

 

 

Wallander ist trotz seiner Team Bemühungen eine One Man Show. Ständig formt er sein Team, informiert und involviert, doch am Ende des Tages zieht er alleine sein Ding aus.

 

 

 

Ein weiteres Grundthema sind seine Vorahnungen. Ständig hat er einen Gedanken und zwar den richtigen im Kopf, kann ihn aber nicht fassen. Schläft nicht, trinkt viel Kaffee und Wasser, pinkelt reichlich, schläft nicht oder halt viel zu wenig und immer dann wenn die Sackgasse gerade komplett zu geht, kann er den Gedanken fassen und die Ermittlung nach vorne treiben.

 

 

 

Auf der anderen Seite der Täter. Selten erfahren wir die Geschehnisse aus seiner Sicht. Dann wird es surreal wie verrückt so ein Massenmörder halt sein muß. Aber das macht die Sache auch erträglich, das es keine logische Handlungen für seine Tat gibt, er ist halt der klassische Serienmörder. Irgendwo ein wenig faszinierend, aber am Ende des Tages so dermaßen durch den Wind, das seine grausame und brutale Taten jeglicher Logik entbehren.

 

 

 

Der ganze Roman fängt allerdings sehr behäbig an. Die ersten Indizien für Krimifans kommen schon früh auf das Parkett und spätestens in der Mitte des Buches weiß man wer der Mörder ist, was sich allerdings erst im letzten Drittel manifestiert und kurz danach ist er identifiziert und wird die letzten 100 Seiten lang gejagt.

 

 

 

Allerdings auch wenn das gegen Ende dann endlich mal rasant wird, muß ich als erfahrener Krimileser sagen, das längst klar war, wer es war, was das „Geheimnis“ ist und welche falsche Spuren gelegt wurden. Will sagen, auch wenn die Spannung deutlich zu nimmt, kann man das schlank unter im Krimiland nichts neues abhaken. Ich habe das Buch in 3 Tagen gelesen und mich gerade ab der Mitte gut unterhalten gefühlt, aber im Vergleich zu Nesbo oder Adler-Olsen fehlt mir das Besondere.

 

 

 

Auffallend ist die Art von Mankell Situationen zu beschreiben. Klar das machen alle Autoren, aber so ausgiebig Personen, Orte und Tate zu beschreiben, habe ich jetzt lange Zeit nicht mehr gelesen. Das zieht das ganze Buch entsprechend auf die lange Länge, nimmt ihn aber auch viel der schrecklichen Momente, ist für mich unterm Strich dann eher neutral.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

********************SPOILER*******************SPOILER***********************Ok wer nichts über das Ende wissen will, bitte hier nicht mehr weiter lesen***************Das die geheimnisvolle Louisa in Wirklichkeit ein Mann ist, ist spätestens klar, als der alte Bankdirektor und die vermeintliche Homosexualität Svedbergs immer mal wieder thematisiert wird. Spätestens ab der Mitte des Buches weiß man, das der Mörder aus dem Bereich der Post stammt. Ein wenig überraschend ist der neue Name und nicht Westin, was aber so nicht zu ahnen, aber im Endeffekt logisch war. Von daher das der Mörder als Louisa von Wallender gefunden aber nicht sofort gefangen wird, ist dann zwar spannend, aber auch nicht wirklich überraschend, eher die Art wie der sonst so intuitive Wallender sie also ihn entkommen läßt. Als der Mörder dann am Ende Jagd auf Wallender macht, macht die ganze Vorgeschichte total absurd und paßt dann so gar nicht mehr so der vorher so ekelig inszenierte perverse Vorstellung von Serienmorden************************************* SPOILER******************SPOILER**************SPOILER******************

 

 

 

 

 

 

 

Technische Details von Henning Mankell – Mittsommermord:

 

 

 

Getränkeliste: Wasser 32x, Kaffee 51x, Wein 5x, Rotwein 1x, Bouillon 1x, Tee 5x, Whisky 4x, Milchkaffee 1x, Ramlösa 1x, Starkbier 1x, Bier 5x, Mineralwasser 1x

 

 

 

Sex, Drugs & Rock'n Roll: Zigaretten 2x

 

 

 

Leichen: Mann 13x, Frau 8x

 

 

 

 

 

 

 

Textproben von Henning Mankell – Mittsommermord:

 

 

 

(Jetzt hätte ich 83 Zitate nehmen können wo Wallender Wasser und oder Kaffee zu sich nimmt und normal bis ausgiebig pinkelt....)

 

 

 

Die Hunde hatten Witterung in verschiedene Richtungen aufgenommen. Hinter einem Busch hatten sie Reste von Exkrementen gefunden. An anderen Stellen lagen Bierdosen und Papierfetzen. Alles wurde eingesammelt und in Nybergs Karten eingezeichnet. An einer anderen Stelle, unter einem abseits stehenden Baum, hatte Kall angeschlagen. Doch sie fanden nichts. Mehrmals im Lauf des Tages kehrte Wallander zu diesem Baum zurück. Er stellte fest, daß es eine der geschütztesten Stellen war für jemanden, der ungesehen den Platz im Auge behalten wollte, an dem das Fest stattfand. Es durchlief ihn kalt. Hatte hier vor ihm der Mörder gestanden? Und was hatte er gesehen?

 

 

 

 

 

 

 

Fazit zu Henning Mankell – Mittsommermord:

 

 

 

Vermutlich sind meine Erwartungen einfach zu hoch. Dunkel und düster wie Nesbo und Adler Olsen, aber durch die sehr ausführlichen Beschreibungen und im Endeffekt der sehr vorhersehbaren Geschehnisse, will sagen, die Finten waren mir sofort ins Auge gefallen, ist das ganze zwar gefällig zu lesen, aber unterm Strich nicht mehr als ein Durchschnittskrimi. Man kann ihn also lesen, hat aber anschließend dieses Popcorn Gefühl.

 

58 von 100 möglichen Punkte für die solide Unterhaltung

 

 

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