Franz Werfel – Der veruntreute Himmel

Lyrisches Werk über eine Haushälterin die sich den Himmel erkaufen will, aber mit ihrer Frömmigkeit an Grenzen stößt.

Franz Werfel - Der veruntreute Himmel
Franz Werfel - Der veruntreute Himmel
Franz Werfel - Der veruntreute Himmel
Franz Werfel - Der veruntreute Himmel

Heute kommt mal wieder ein Buch aus der Tauschtelefonbörse zum bewerten. Obwohl es schon reichlich abgegriffen aussah, habe ich aber Der veruntreute Himmel von Franz Würfel mitgenommen.

 

Zum Äußeren von Franz Werfel – Der veruntreute Himmel:


Vorne drauf eine altgenössische Zeichnung. Man sieht Pilger von hinten die wohl vor einem offiziellen Papstauftratt demgleichen harren.


Neben Autor und Titel noch oben „Das Geheimnis der Frömmigkeit“ und unten Verlag Fischer Bücherei.


Rückseite: Das gute Buch von jedermann. Dann ein schwarzweiß Foto des Autors: Franz Werfel: 1890 in Prag geboren, wurde schon 1914 von Rilke als „nächste Generation“ begrüßt. Bald nach dem erten Weltkrieg nahm er in Wien bleibend Wohnsitz. 1938 wanderte er über Frankreich und Spanien nach Amerika aus, wo er am 26.August 1945, erst 55 Jahre alt, in Beverly Hills, Kalifornien, starb – zwei Tage nach der Vollendung des „Stern der Ungeborenen“.


Nachdem er als bahnbrechender Lyriker zu großem Ruhm gelangte, schrieb er in zwei Jahrzehnten acht große Romane (u.a. Barbara“, „Geschwister von Neapel“, „Die 40 Tage des Musa Dagh“). Er hatte während der Flucht, für den Fall der Rettung, ein Werk über die Heilige von Lourdes zu schreiben gelobt: „Das Lied von Bernadette“, das ein großer Welterfolg wurde. In der Verherrlichung des göttlichen Geheimnisses und der menschlichen Heiligkeit steht „Der veruntreute Himmel“ der „Bernadette“ nahe.


Glanzfolienkaschierung : Baade & Endrulat, Hamburg



Innenleben von Franz Werfel – Der veruntreute Himmel:


Zuerst wieder eine Zusammenfassung des Romans, Umschlagbild: Gerd Grimm, Auflagen 1-50 Tausend und dann immer wieder um 25 Tausend mehr bis 175 Tausend von April 1952 bis bis März 1956. Ein Vorwort von Jean Paul. Dann fängt das Band mit Kapitel 1 Das Heiligenbild auf Seite 7 an und endet auf Seite 246. Es folgen noch 5 Seiten Werbung.

 



Zum Roman von Franz Werfel – Der veruntreute Himmel:

 

Der Erzähl Schriftsteller beschreibt wie er Teta kennengelernt hat. Er selbst war ständiger Hausgast der Argans.


Die Argans waren wohlhabende Juden mit 2 Jung Erwachsenen Kindern. Der Schriftsteller schreibt in ihrem Hause als Hausfreund der ganze n Familie an seinen Büchern. Tetra ist die Köchin der Familie. Neben ihren Kochkünsten gilt die Frau als eigenbrötlerlich, geizig, sehr religiös und treu.

 

Der Roman beschreibt aus dem Alltagsleben der Argans. Der Schriftsteller hat eine Schreibblockade. Doch auf einmal überschlagen sich die Ereignisse.


Vorher haben wir erfahren, das Teta eine Schwester und einen Bruder hat. Als der Bruder verstirbt stellt seine habgierige Schwester den einzigen Sohn Teta vor. Teta, die keine eigenen Kinder hat, mag den Buben zwar nicht, hat aber auf einmal eine göttliche Eingebung: Um sich den Himmel „zu erkaufen“, wird sie den Buben fördern, damit dieser Pastor wird und somit ihre Seele den Himmel geebnet bekommt. Sie legt ihr ganz Erspartes für den Buben zurück, der mit dem Geld studiert und später ihr in Briefen seinen Werdegang schildert. Immer und immer wieder fordert er dabei Geld von seiner Tante Teta an, die ihm auch immer das Geld schickt.

 

Auf einmal treffen mehrere Unglücksfälle die Familie Argan. Daher trennen sich die Lebensläufe der Argans, Tetas und der des Schriftstellers. Jetzt beschreibt der Schriftsteller was Teta weiter in ihrem Leben passiert.


Ohne aktuelle Beschäftigung beschließt Teta Ihren Lebensabend bei ihrem Neffen zu verbringen. Er hat ihr ja geschrieben, das er endlich eine Stelle als Pfarrer angetreten und somit reist sie zu seiner Pfarrei und trifft den Pfarrer. Auf einmal gewinnen die Ereignisse eine ganz eigenwillige Eigendynamik,...



Meine Meinung zu Franz Werfel – Der veruntreute Himmel:


Nach den ersten Seiten lesen war mir klar: Jetzt muß ich erst mal auf Wikipedia nachlesen, was ein Lyriker ist. Die Sprache ist ungewohnt blumig. Absolut unspektakuläre Ereignisse werden durch die Wortklaubereien unglaublich poetisch (wobei wir bei der modernen Übersetzung des Begriffs Lyrik sind).

Und somit kommen wir zur eigentlichen Story. Die ist relativ dünn. Da ist die fleißige Dienstmagd, auch nicht wirklich sympathisch von Natur aus. Der Schriftsteller ist auch ein althergebrachter Parasit und die Familie Argan die am Anfang einige Sympathiepunkte sammeln konnte, wird in wenigen Seiten mit dermaßen heftigen Schicksalsschlägen aus dem Verkehr gezogen, das man sich ernsthaft fragt und welche Richtung der Roman noch gehen will.


Aber soviel kann ich verraten: Das gibt alles einen Sinn. Hier geht es um ein tiefreligiöses Thema. Und das der Neffe irgendwie nicht ganz koscher ist, ahnen alle Beteiligten außer Teta selbst. Wobei die auch ihre Ahnungen hat.


Aber um der eigentlichen Thematik Religion näher zu kommen, müssen die Argans dramaturgisch früh aus dem Roman verschwinden.


Und somit bekommen wir einen ganz neuen Erzählstrang nachdem Teta beim Neffen war und es kumuliert wie es die Logik vorschreibt beim Papst höchstpersönlich.


Der Roman fasziniert nicht durch die Handlung. Obwohl der Text durchaus über 60 Jahre alt ist, hat er kaum was von der Aktualität eingebüßt. Hier geht es um Gottglaube, Vergebung, Erlösung. Die Suche nach sich, nach Gott, nach dem was „danach“ kommt.


Das Buch hier war nach Hermann Hesses „Narziß und Goldmund“ die zweite sprachliche Überraschung. Wie wohltuend die Sprache so zu schmeicheln, das ein Thema was mich persönlich überhaupt nicht interessiert, so rüber kommt, das man verzückt das Buch zur Hand nimmt.

 

Was dann auch das Hauptproblem ist: Das ist sprachlich so lyrisch, poetisch, brilliant, nennt es wie ihr es wollt: Aber es ist auch anstrengend zu lesen. Die 3 Herr der Ringe Filme kann ich ohne Kopfweh am Stück durchschauen, aber eine brillante geschichtliche Studie über z.B. Pygmäendörfer im Amazonas auf Arte ist wohltuender fürs Auge, aber auch anstrengender. Und genau so sieht das hier aus.

 

Technische Details zu Franz Werfel – Der veruntreute Himmel:

 

Getränkeliste: 4x Kaffee, 2x Whisky, 2x Bowle, 1x Kümmel, 3x Bier, 1x Tee, 2x Branntwein, 1x Anisette, 1x Kornschnaps, 1x Himbeergeist, 3x Wein, 1x Pernod, 2x Milchkaffee, 1x Rotwein

Sex, Drugs & Rock'n Roll: 1x Zigarre, 4x Handkuß

Leichen: 1x Mann, 1x Frau

 

Textauszug von Franz Werfel – Der veruntreute Himmel:


Ihr ganzes Wesen sträubte sich gegen eine Geldausgabe ohne Praktischen Zweck sowie gegen eine freudige Begegnung, die sie sich selbst bezahlen mußte. Und dann? Würde es überhaupt eine freudige Begegnung werden? Da war eine unbehagliche Scham in ihr. Was sollte, sie, die Köchin, in der Küche zwischen Herd und Abwasch mit dem Hochwürdigen anfangen, mochte dieser auch seine gelehrte und geweihte Lebenshöhe nur ihr allein verdanken? Sie kostete die Lächerlichkeit vor – ein geistlicher Herr auf dem Küchenschemel – und ihre eigene quälende Verlegenheit dazu. Allzu tief lebte in ihr der angeerbte Standesakt des dienenden Volkes alter Generationen. Doch darüber hinaus wars noch ein dunkleres Unbehagen, das ihr die absagende Feder führte. Hochwürden Mojmir Linek, der gehörte bisher ihren Gedanken allein. Warum sollte sie den makellosen Hochwürdigen der Wirklichkeit entgegenstellen? Noch wars ja nicht notwendig. Noch nicht,....

 

Fazit zu Franz Werfel – Der veruntreute Himmel:


Eine einfache Story in grandiosem Sprachgewand, die sicherlich heutzutage nur noch sehr wenige Menschen ansprechen sollte. Wer genug von der Schlag-drauf-hau-mich-Tod „Literatur“ hat, ganz sich gerne an so einem Werk wie dem hier vergreifen. Ich ziehe mal 13 Punkte  ab, weil die Story doch etwas out of Time ist, ansonsten bin ich aber sehr begeistert von der Sprachtiefe des Romans und empfehle das Buch mit 87 von 100 Punkten für Romantiker.

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